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DAK

Zu viele Pillen gegen den Arbeitsstress

DAK-Gesundheit warnt vor Suchtgefahr bei jungen Erwachsenen. Rund 280.000 ihrer Versicherten haben 2012 Schlaf- und Beruhigungsmittel mit hohem Suchtrisiko eingenommen.

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HAMBURG. Ein Viertel der rund 280.000 DAK-Versicherten, die 2012 Schlaf- und Beruhigungsmittel mit hohem Suchtrisiko eingenommen haben, sind junge Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren, wie die DAK-Gesundheit mitteilt.

Alarmierend: Mehr als 33 Prozent der insgesamt eine Million Rezepte werden von Ärzten für 30 Tage und länger ausgestellt - Abhängigkeiten sind damit vorprogrammiert.

Benzodiazepin-Präparate und sogenannte Z-Substanzen (zum Beispiel Zopiclon oder Zolpidem) sind rezeptpflichtige Medikamente, die zur Linderung von Angstzuständen oder bei schweren Schlafstörungen verordnet werden.

Die DAK-Zahlen zeigen, dass ein Viertel der Versicherten, die solche Beruhigungsmittel auf Rezept bekommen, Frauen und Männer zwischen 20 und 40 Jahren sind.

Grund ist Bewältigung des Leistungsdrucks

"In dem Alter stehen viele beruflich vor großen Herausforderungen und nicht selten unter Dauerstress", erklärt Dr. Ronald Meurer, Apotheker bei der DAK-Gesundheit.

"Die Statistik lässt vermuten, dass sie die Substanzen zur Bewältigung des Leistungsdrucks nehmen. Dazu sind die Medikamente allerdings überhaupt nicht geeignet."

Das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln, ist bei jüngeren Menschen besonders hoch. "Ärzte sollten die Arzneimittel nur nach sorgfältiger Prüfung verschreiben und die Einnahme engmaschig kontrollieren", fordert Meurer.

Nehmen Patienten die Wirkstoffe längerfristig ein, entstehen Abhängigkeiten - Experten schätzen, dass deutschlandweit und krankenkassenübergreifend rund 1,5 Millionen Menschen tablettensüchtig sind.

Auch das Unfallrisiko beim Autofahren steigt

Neben der Abhängigkeit birgt die Einnahme weitere Gefahren: So steigt etwa das Unfallrisiko beim Autofahren.

Je nach Dosis ist die Einnahme der Substanzen mit einem Blutalkoholgehalt von mindestens 0,5 Promille vergleichbar. Die Reaktionsfähigkeit hinter dem Steuer ist also merklich beeinträchtigt.

Über elf Prozent der DAK-Versicherten, die 2012 Benzodiazepine oder Z-Substanzen einnahmen, sind 80 Jahre und älter.

Für sie sind die Wirkstoffe ebenfalls gefährlich. Deshalb stehen diese auf der von Wissenschaftlern ausgearbeiteten Priscus-Liste mit für ältere Menschen ungeeigneten Wirkstoffen. "Zum einen erhöht sich durch die Einnahme der Beruhigungsmittel das Risiko für Stürze", so Meurer.

Durch Kombinationen entsteht ein gefährlicher Pillenmix

"Zum anderen kann durch die Kombination mit Medikamenten gegen Bluthochdruck oder Herzprobleme ein gefährlicher Pillenmix entstehen." Außerdem baut der Körper die Substanzen langsamer ab als in jungen Jahren.

Sie wirken deshalb stärker und verursachen häufiger Nebenwirkungen. Diese würden nicht selten mit typischen Alterserscheinungen wie Verwirrtheit oder Demenz verwechselt und deshalb nicht richtig behandelt.

Vollständig ausgewertet wurden die DAK-Rezeptdaten des Jahres 2012. Ein Blick auf das erste Halbjahr 2013 zeigt, dass die Verordnungszahlen konstant bleiben. Privatrezepte wurden nicht berücksichtigt. (eb)

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