Ärzte Zeitung, 24.10.2005

Gute Erfahrung mit Ohrakupunktur nach Hüft-OP

Bedarf an Schmerzmitteln wird reduziert / Studie mit 61 Patienten / Förderpreis für Schmerzforschung

BREMEN (sko). Zum 19. Mal wurde der Förderpreis für Schmerzforschung der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) vergeben. Ausgezeichnet wurde beim Schmerzkongreß in Bremen zum Beispiel eine Studie, in der mit Ohrakupunktur der Verbrauch an Schmerzmitteln nach einer Hüftoperation reduziert war.

"Mit diesem Preis haben wir die Möglichkeit, nach außen zu tragen, was es bei der Schmerztherapie im Bereich der Klinik und der Grundla-genforschung Neues gibt", sagte DGSS-Präsident Professor Michael Zenz bei der Preisverleihung in Bre-men. Gestiftet wird der mit 21 000 Euro dotierte Preis, den sich dieses Jahr sieben Forscher teilen, von dem Unternehmen Grünenthal.

Auch Ehrung für Forschung zu Cannabinoid-System

Dabei reicht das Spektrum der prämierten Arbeiten von der Grundlagenforschung zum körpereigenen Cannabinoid-System über einen neuen Fragebogen zur besseren Erfassung von Schmerzpatienten bis zu klinischen Aspekten wie der Ohrakupunktur.

Und die hat sich in einer der ausgezeichneten Arbeiten als sehr effektiv erwiesen. Dr. Taras I. Usichenko und seine Mitarbeiter von der Universitätsklinik Greifswald untersuchten 61 Patienten, die vor einer Hüft-Operation bis ein-schließlich dem dritten postoperativen Tag vier Dauernadeln in das Ohr der zu operierenden Seite erhielten.

Bei den Patienten der Studiengruppe wurden vier klassische Akupunkturpunkte gewählt, bei Patienten der Vergleichsgruppe erhielten die Nadeln an nach der traditionellen chinesischen Medizin als wirkungslos geltenen Stellen.

Zur postoperativen Schmerztherapie erhielten die Patienten eine Analgesie-Pumpe mit Piritramid, die sie selbst steuern konnten. Außerdem bestimmten die Forscher die Schmerzintensität, die Herzfrequenz und den Blutdruck.

Ergebnis: Die Patienten der Studiengruppe benötigten weniger Schmerzmittel, wobei die Schmerzintensität in beiden Gruppen gleich war, wie Usichenko berichtet hat. Bei allen anderen Parametern gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde eine Arbeit von Dr. Christian Schmahl aus Mannheim und Dr. Wolfgang Greffraht aus Mainz. Die beiden Forscher haben festgestellt, daß die Schmerzweiterleitung bei Patienten mit einer Borderline-Störung, die sich selbst schwerste Schmerzen ohne jegliche Analgesie zufügen, völlig normal funktioniert.

"Daß diese Patienten solch ein geringes Schmerzempfinden haben, spielt sich also nicht auf der afferenten Seite ab, sondern muß an irgendeiner Stelle im Gehirn gemanagt werden", sagte Professor Thomas Tölle aus München, Sprecher der Forschungskommission.

Auch wenn die Arbeiten der Preisträger sehr unterschiedlich waren - eines haben die Kollegen doch gemeinsam: Alle sind aus ein und dem selben Jahrgang. "Und dies muß offensichtlich ein exzellenter Jahrgang gewesen sein", kommentierte Tölle.

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