Ärzte Zeitung, 11.08.2011

Standardisierte Schmerztherapie beruhigt agitierte Demenzpatienten

Agitiertheit und Aggressivität bei Demenz können auf Schmerzen hindeuten. Mit einem Stufenprotokoll gelingt eine Besserung.

BERGEN (MUC/eb). In einer Studie erhielten 352 Heimpatienten mit mittelschwerer bis schwerer Demenz und Verhaltensstörungen die übliche Versorgung oder zusätzlich eine individuelle Schmerztherapie nach dem Stufenplan der American Geriatric Society.

Stufe 1: orales Paracetamol, maximal 3 g/d;

Stufe 2: orales Morphin, maximal 20 mg/d;

Stufe 3: transdermales Buprenorphin, maximal 10 μg/h;

Stufe 4: orales Pregabalin, maximal 300 mg/d. Bei Patienten mit Schluckbeschwerden wurde mit der Stufe 3 begonnen (BMJ 2011; 343: d4065).

68 Prozent der 175 Patienten in der Interventionsgruppe erhielten Paracetamol neu oder in erhöhter Dosierung, 2 Prozent Morphin. Das Buprenorphinpflaster wurde 23 Prozent erstmals oder in höherer Dosierung verordnet. Pregabalin erhielten 7 Prozent der Patienten.

Nach acht Wochen gaben sie signifikant weniger Schmerzen an als die Patienten der Kontrollgruppe. Sie waren auch weniger agitiert: Der Cohen-Mansfield Agitation Inventory Score lag durchschnittlich um 7,0 Punkte niedriger, was einer Reduktion um 17 Prozent entspricht.

Nach dem Absetzen der Schmerztherapie nach Woche acht verschlechterten sich die Werte wieder. Die Aggressionen wurden durch die systematische Schmerztherapie ebenfalls signifikant gebessert. Bei Kognition und Alltagsbewältigung waren keine Veränderungen festzustellen.

Die Studie zeige, "wie wichtig es ist, bei Demenzpatienten Schmerzen zu erfassen und wirksam zu behandeln, um Agitiertheit und Aggression vorzubeugen", schreibt Dr. Bettina S. Husebo von der Uni Bergen in Norwegen.

Wie viel sich damit erreichen lässt, belegen Ergebnisse zu Risperidon: In den drei Studien, die den Cohen-Mansfield Agitation Inventory nutzen, wurden damit gegenüber Placebo Rückgänge um 3, 13 und 18 Prozent erzielt.

Der klinische Effekt der standardisierten Schmerztherapie sei ähnlich wie mit der besten medikamentösen Therapie.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »

Die Therapiekünste eines Kung-Fu-Meisters

Ein Kampfsportler stößt mit seinem Gesundheitskonzept bei Medizinern auf Interesse. Ein Arzt ist sogar geneigt, von einem Wunder nach der Therapie durch Chu Tan Cuong zu sprechen. mehr »