Direkt zum Inhaltsbereich

Bei chronischen Schmerzen

Kaffee und Opioide – eine gute Kombi?

Patienten mit Fibromyalgie, die chronische Schmerzen haben und dagegen Opioide erhalten, verstärken möglicherweise den analgetischen Effekt durch Kaffeetrinken. Erstmals Hinweise darauf liefern jetzt die Ergebnisse einer Studie US-amerikanischer Rheumatologen.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Kaffee und Opioide – eine gute Kombi?

© Stocksnapper / Fotolia

ANN ARBOR. Koffein als Koanalgetikum wird etwa zur Selbstmedikation bei Migräne sowie beim Kopfschmerz vom Spannungstyp von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfohlen, und zwar in Kombination mit Acetylsalicylsäure und Paracetamol. Ärzte um Dr. J. Ryan Scott von der Universität von Michigan stellten nun für ihre Studie zum einen die Hypothese auf, dass Koffein einen intrinsischen analgetischen Effekt hat (J Pain Res 2017; 10: 1801–1809). Sie stützen sich dabei auf Angaben von Patienten, die regelmäßig Kaffee trinken.

Die zweite These war, dass Koffein auch bei Patienten, die Opioide einnehmen, einen koanalgetischen Effekt hat. Für ihre Querschnittsstudie wählten die Rheumatologen Fibromyalgiepatienten mit chronischen Schmerzen.

Seltener Depressionen

Von insgesamt 972 Studienteilnehmern standen die Ergebnisse unter anderem von Befragungen zum Kaffeekonsum und zum Opioidgebrauch zur Verfügung. 67 Prozent der Patienten waren Frauen. 568 Patienten (59 Prozent) hatten angegeben, Opioide täglich oder nach Bedarf zu nutzen.

Der Anteil der Studienteilnehmer mit beziehungsweise ohne Opioidtherapie, die regelmäßig Kaffee tranken, betrug 81 Prozent beziehungsweise 80 Prozent. In den Gruppen mit und ohne Opioidtherapie unterschied sich der Anteil jener Patienten, die zur Schmerzlinderung außerdem Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und/oder Paracetamol einnahmen, nicht wesentlich (49 Prozent beziehungsweise 51 Prozent). Aus den Ergebnissen der Studie geht hervor, dass Patienten mit Opioid-Therapie, die regelmäßig Kaffeetrinken, eigenen Angaben zufolge weniger starke Schmerzen haben. Außerdem gaben sie an, dass ihre Schmerzen den Alltag weniger beeinflussten und sie die Schmerzen weniger überbewerteten als Patienten mit Opioidtherapie, aber ohne Kaffeekonsum. Schließlich litten die Kaffeetrinker seltener unter Depressionen.

Wie Scott und seine Kollegen berichten, beobachteten sie zudem einen dosisabhängigen Effekt. Allgemein betrachtet linderte ein geringer bis moderater täglicher Konsum (weniger als eine Tasse bis maximal 2,5 Tassen) unter anderem die Schmerzsymptome, hoher Konsum (mehr als drei bis zwölf Tassen) dagegen nicht.

Keine exakten Informationen

Die Rheumatologen weisen einschränkend darauf hin, dass sich aufgrund des Studiendesigns kein kausaler Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum zusätzlich zur Opioidtherapie und Schmerzlinderung ableiten lässt. Außerdem sei mit einer Verzerrung der Ergebnisse zu rechnen, weil die Patienten möglicherweise zu geringe Angaben über den tatsächlichen Schmerzmittelgebrauch gemacht hätten. Auch fehlten exakte Informationen zur aufgenommenen Koffein- und Opioidmenge.

Der Wirkmechanismus von Koffein auf die Schmerzwahrnehmung ist den Ärzten zufolge komplex und bisher unverstanden.

Bekannt ist, dass es die Rezeptoren für Adenosin hemmt, das an der Schmerzentstehung und –modulation beteiligt ist.

Mehr zum Thema

HICP-Prävalenz untersucht

So verbreitet sind chronische Schmerzen in Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nichtinfektiösen Durchfall erkennen

Das sind die Warnzeichen für chronische Diarrhö

Lesetipps
Eine Mutter hat ihre Tochter am Schoß und sitzt in der Sprechstunde eines Arztes.

© Africa Studio / Stock.adobe.com

Interview

Vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern mit Vorerkrankungen

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?