Ärzte Zeitung online, 11.10.2017

Triggerfaktoren erkennen

Schulkind mit Kopfweh – So einfach kann die Lösung sein

Immer mehr Kinder und Jugendliche klagen über Kopfschmerzen. Die Lösung kann einfach sein, denn nicht selten stecken Schlafdefizit oder mangelnde Flüssigkeitszufuhr hinter den Beschwerden. Manchmal führt aber auch eine laktosefreie Ernährung zum Ziel.

Von Beate Fessler

Schulkind mit Kopfweh – So einfach kann die Lösung sein

Was löst das Kopfweh aus? Ein Kopfschmerztagebuch hilft, bei Kindern die Triggerfaktoren zu erkennen.

© Jan Andersen / fotolia.com

KÖLN. Knapp 60 Prozent der Schulkinder leiden unter Kopfschmerzen, Mädchen 1,5-fach häufiger als Jungen. Die Schmerzen nehmen dabei mit dem Alter zu. Knapp die Hälfte der betroffenen Kinder klagt gleichzeitig über Müdigkeit und Rückenschmerzen. Viele Risikofaktoren sind bekannt: wenig körperliche Bewegung, Adipositas, psychische Belastungen in der Familie, Stress in der Schule und Mobbing, aber auch Alkoholkonsum.

Identifizierung von Triggerfaktoren

Um Erklärungen, bisherige Therapieversuche und Zielvorstellungen zu erfragen, empfahl Dr. Stephanie Boßerhoff beim Kongress für Kinder- und Jugendmedizin das PELZ-Modell.

So gehen Sie beim PELZ-Modell vor:

  • P: Problemschilderung durch den Patienten
  • E: Eigene Erklärungen für den Kopfschmerz sowie Erklärungen von Angehörigen
  • L: Schilderung der bisherigen Lösungsversuche und welche Erfolge bereits erzielt wurden.
  • Z: Zieldefinition: Was soll erreicht oder verändert werden?
  • Schlüssel für ein erfolgreiches Kopfschmerzmanagement ist die Identifizierung von Triggerfaktoren, die durch ein Kopfschmerztagebuch unterstützt wird. Hier gilt es, sich den Tagesablauf möglichst genau schildern zu lassen, mit Schlafzeiten, Mahlzeiten und Bildschirmkonsum. "Treten die Kopfschmerzen am Ende der Woche auf, sind sie häufig Folge eines Schlafdefizits, das sich über die Woche aufgebaut hat, nicht zuletzt auch, weil die Peergroup per Smartphone oft bis in die Nacht aktiv ist." Da gelte es auch nachzufragen, wo das Handy nachts liegt. Treten Kopfschmerzen eher montags auf, lässt dies unregelmäßigen Schlaf am Wochenende vermuten.

    Bei Kopfschmerzen nach langen Schultagen sollte nach der Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr gefragt werden, so der Rat der Pädiaterin. Oft nämlich trinken die Kinder und Jugendlichen einfach zu wenig.

    Was schützt vor Kopfschmerzen?

    Die Therapie ist einfach: Mehr und regelmäßiger Schlaf auch am Wochenende, ebenso wie regelmäßige Mahlzeiten und eine Erhöhung der Trinkmenge. "Immerhin 60 Prozent der Fälle verbessern sich durch Veränderung der Lebensführung in Bezug auf schlafen, trinken und essen."

    Was ebenfalls vor Kopfschmerzen schützen kann, viele Eltern aber eher weniger gern hören, ist regelmäßige unverplante Freizeit, sprich "chillen". Auch das sollte den Kindern also gegönnt und der Terminplan entsprechend entschlackt werden.

    Kopfschmerz kann aber auch Folge einer Laktoseintoleranz sein. Sie ist im klinischen Alltag nicht selten und kann auch ohne gastrointestinale Symptomatik auftreten. Bei Menschen mit mediterraner Herkunft oder dunkler Farbe liegt der Anteil bei bis zu 80 Prozent. Versucht werden kann bei diesen Patienten eine laktosefreie Ernährung über vier Wochen, insbesondere, wenn auch die Familienanamnese positiv ist.

    Auch eine Blockade im HWS-Bereich kann Kopfschmerzen auslösen. Daran denken sollte man vor allem bei Kopfschmerzen morgens nach dem Aufwachen oder bei einem Trauma in der Anamnese.

    [13.10.2017, 13:33:02]
    Dr. Thomas Georg Schätzler 
    Lieber Kollege Dr. Fritz Gorzny,
    vielleicht sind ja Doppelbilder schuld? Aber "Hyperoppien", die allgemeinsprachlich Weitsichtigkeit genannte Übersichtigkeit, bezeichnet man gemeinhin mit "Hyperopie" oder Hypermetropie.

    Ihre "Heteropphorien" gibt es so auch nicht: Unter "Heterophorie" versteht man ein latentes, also verstecktes Schielen.

    Einen Besuch beim Augenarzt empfiehlt Ihnen kollegial
    Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
     zum Beitrag »
    [12.10.2017, 18:32:23]
    Dr. Fritz Gorzny 
    Auf die Augen achten, MIßbrauch digitaler Medien
    Aus meinen jahrelangen Beobachtungen gehen kindliche und überhaupt Kopschmerzen auch anderer Altersgruppen mit nicht richtig korrigierten Fehlsichtigkeiten (meist Hyperoppien und Astigmatismen) und /oder nicht korrigierten assoziierten Heteropphorien, vulgo "Winkelfehlsichtigkeiten ", einher.Nach deren Korrektionen mit Brillengläsern, ggf. Prismengläsern, bessern sich die Beschwerden regelmäßig und rasch.Erschwerend wirkt sich der ständig zunehmende Miss-Ge-brauch digitaler Medien mit seine permanenten Überreizung des visuellen Systems durch Betrachten kleinster bewegliche Optotypen gegen einen hellblauen Bildhintergrund aus. Hier sollte zumindest die Tagesdosis dieser Tätigkeiten eingeschränkt und nur fraktioniert zugelassen zu werden. Das Gegenteil ist der Fall. Bildsc hirmzeiten bis zu 8 Stunden auch beruflich sind keine Seltenheit mehr und gewinnen zunehmend Suchtcharakter vor allen bei Jugendlichen zum Beitrag »
    [12.10.2017, 01:58:15]
    Dr. Klaus Rottach 
    Migräne usw. nicht vergessen
    Diese PELZ-Geschichte hat sicher einiges für sich, deckt aber bei weitem nicht das ganze Spektrum der Kopfschmerzen im Kindes/Jugendalter ab.
    Im Prinzip scheint es dabei um Spannungskopfschmerzen zu gehen, die aber eine
    Ausschlussdiagnose sind. So sollte eine Raumforderung, Fehlsichtigkeit, metabolische Erkrankung usw. ausgeschossen werdenDurchaus nicht selten haben Kinder Migräne, die es (aufgrund der Anamnese) zu erkennen gilt. All das sollte "abgearbeitet" werden, bevor man PELZt. zum Beitrag »
    [11.10.2017, 10:37:12]
    Dr. Max-Reinhard Steuber 
    Kopfschmerzen bei Kindern
    Ich vermisse in dem Artikel noch den Hinweis auf eine Untersuchung beim Augenarzt. Manchmal sind auch bisher unerkannte Sehschwächen ein Auslöser. zum Beitrag »

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