Ärzte Zeitung, 24.08.2005

Schmerzpatienten noch immer schlecht versorgt

Studie zur Opiattherapie bei Rückenschmerzen beim Welt-Schmerz-Kongreß in Sydney vorgestellt

SYDNEY (FHV). Vorsichtigen Schätzungen von Dr. Gerhard Müller-Schwefe aus Göppingen zufolge erfolgt bei zwei Dritteln der Schmerzpatienten in Europa keine adäquate Schmerzkontrolle.

Jeder fünfte Schmerzpatient in Europa verliert auf Grund seiner Beschwerden seinen Job. Darauf hat Dr. Michael Überall aus Nürnberg während des 11. Welt-Schmerz-Kongresses in Sydney aufmerksam gemacht.

Ökonomischen Schätzungen zufolge gehen den europäischen Volkswirtschaften durch den chronischen Schmerz bis zu 500 Millionen Arbeitstage jährlich - und damit mindestens 34 Milliarden Euro - verloren. Schuld daran seien etwa überholte Aus- und Weiterbildungskonzepte für Ärzte, eine unzureichende Schmerzdiagnostik und schlechtes Monitoring des Schmerzverlaufs, so Überall.

Darüber hinaus schreckten offensichtlich auch heute noch viele Kollegen vor der Behandlung mit Opiaten zurück, so Müller-Schwefe. Eine Studie mit Oxycodon habe kürzlich in diesem Zusammenhang ermutigende Ergebnisse erbracht.

So hätten in der deutschen Studie 55 Prozent von insgesamt 443 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, denen die medikamentöse Behandlung und parallel dazu ein Rehabilitationsprogramm angeboten worden seien, ihre berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen können. In der Kontrollgruppe dagegen, in der die Patienten keine Pharmakotherapie erhalten hatten, waren es nur 17 Prozent (wir berichteten).

Nur jeder vierte Patient mit Rückenschmerzen in der Kontrollgruppe, aber 58 Prozent der Patienten in der Verumgruppe hätten ohne jede oder nur mit leichten Einschränkungen an den Physiotherapieprogrammen teilnehmen können. 39 Prozent der Patienten mit Opioid-Therapie, aber nur zwölf Prozent der Studienteilnehmer in der Kontrollgruppe seien in ihren alltäglichen Aktivitäten überhaupt nicht eingeschränkt gewesen.

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