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HINTERGRUND

Geringerer Blutverlust, weniger Schmerzen, rasch mobil - die Hüftendoprothetik ist eine Erfolgsgeschichte

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Von Angela Speth

Der Ersatz verschlissener Hüftgelenke ist eines der erfolgreichsten Verfahren der Orthopädie: 180  000 solcher Operationen werden in Deutschland jährlich vorgenommen. Nun zeichnen sich entscheidende Neuerungen ab.

So sind Prothesen im Kommen, für die nur wenig Knochen entfernt zu werden braucht. Zudem setzen sich kleine Schnitte durch, so daß die Patienten weniger Blut verlieren, geringere Schmerzen haben und rasch aufstehen können.

Die Erfolgsgeschichte der Hüftendoprothetik reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Vor etwa 50 Jahren wurde sie durch drei Neuheiten revolutioniert: Der britische Mediziner Professor John Charnley erfand den Knochenzement, eine schnell härtende Kunststoffmasse, die bis heute zum Kleben dient.

Einen weiteren Durchbruch bedeutete die Gleitpaarung: Für die Pfanne verwendete man Plastik, für den Hüftkopf Metall. Und drittens wurde der künstliche Hüftkopf kleiner gemacht als der natürliche, so daß er besser gleiten konnte. Brüche, Abrieb oder schnelle Lockerung kommen heutzutage fast nicht mehr vor.

Kappenprothesen sind für jüngere Patienten von Vorteil

Eine Neuerung ist die Kappenprothese: Der Hüftkopf wird rund gefräst, eine Metallkappe darüber gestülpt und die Hüftpfanne mit einer Metallschale ausgekleidet. So bleibt wesentlich mehr Knochen erhalten als bei einer konventionellen Prothese.

"Kappenprothesen sind für Patienten unter 60 Jahren deshalb von Vorteil, weil genügend Knochensubstanz übrig bleibt, um nach durchschnittlich 15 Jahren ein zweites - herkömmliches - Modell einzusetzen", erläuterte Professor Nikolaus Wülker von der Universitätsklinik Tübingen bei einem Symposium.

Eine nicht ganz so konsequente Möglichkeit, Knochen zu sparen, bildet die mittellange Cut-Prothese. Ihre Tragfähigkeit reicht wohl nicht ganz an die langen Prothesen heran. Insofern ist sie ebenfalls hauptsächlich für die jungen Alten geeignet, weil deren Knochen noch relativ stabil sind.

Ein weiteres Schlagwort der Hüftprothetik lautet: minimal-invasive Chirurgie. Heute können Schnitte von sieben Zentimetern - statt wie bisher 20 - ausreichen. Die untere Grenze ist nur durch die Größe des Implantats vorgegeben. Zu diesem Fortschritt haben spezielle Instrumente beigetragen, etwa gebogene Halterungen, um die Gelenkpfanne einzubringen.

Zusätzlich werden vermehrt Schulungen für Chirurgen angeboten. Der Tübinger Wissenschaftler überprüft in einer Studie, ob das minimal-invasive Vorgehen Patienten schneller wieder auf die Beine hilft und Blutverlust sowie Schmerzen vermindert.

Auch bei künstlichen Kniegelenken gibt es eine Tendenz zu kleinen Implantaten und kurzen Schnitten: Mit heute etwa neun Zentimetern sind die Narben für die Gleitflächenprothesen nur halb so lang wie früher. Gar sechs Zentimeter genügen für die kleinen Schlittenprothesen, die lediglich die verschlissene Innen- oder Außenseite des Gelenks ersetzen. Zwar ist die Zahl der Knie-Operationen noch kleiner als die der Hüftgelenks-Operationen, doch sie steigt rapide.

Standard ist heute ein künstliches Gelenk, das von den eigenen Bändern geführt wird. Dazu werden die Knochen von Oberschenkel und Schienbein überkront wie Zähne, dazwischen eine Hartplastikscheibe. Dank dieser Technik hat die Haltbarkeit von Knie-Prothesen deutlich zugenommen: Nach zehn Jahren funktionieren noch 90 Prozent, nach 15 Jahren noch 80 Prozent - fast so viel wie künstliche Hüftgelenke.

Diskussionsstoff liefert immer noch der Knochenzement: Den Schienbeinteil von Knieprothesen fixieren fast alle Orthopäden damit, für den Oberschenkelteil nutzt ihn etwa die Hälfte. Künstliche Hüftgelenke halten nach Studienergebnissen bei Patienten ab etwa 65 Jahren mit Zement besser als ohne. Bei Jüngeren verzichtet man darauf, weil der Knochen die Prothesen recht gut verankert. Und: die Prothesen sind ohne Zement leichter auszuwechseln.

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