Ärzte Zeitung, 09.02.2007

Bei Hallux valgus verbessern neue Verfahren das Op-Ergebnis

Orthopädin: Klassische Op-Methode ist eine "funktionelle Amputation" / Der Rückfuß muss bei der Diagnostik berücksichtigt werden

MALCHIN (ner). Zur Resektion des Großzehen-Grundgelenks bei ausgeprägtem Hallux valgus gibt es heutzutage eine Alternative. Denn mittlerweile wurden die Operationsverfahren für die Rückfußveränderungen verbessert, die eine Ursache der Deformität sind.

Bei der klassischen Operation nach Keller-Brandes wird bei Hallux-valgus-Patienten das Großzehen-Grundgelenk entfernt. Dies sei eine "funktionelle Amputation", so die Orthopädin Dr. Angela Simon aus Malchin in Mecklenburg-Vorpommern (Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern 5, 2006, 158). Denn die Großzehe könne dann während des Abrollvorganges die Last nicht mehr aufnehmen. Folge sind Überlastungen am zweiten und dritten Mittelfußköpfchen mit Schmerzen und Schwielenbildung.

Eine Alternative zur Keller-Brandes-Operation ist die dreidimensionale Korrektur-Osteotomie nach Austin am ersten Mittelfußknochen. Die ausgeprägte Fehlstellung im Großzehen-Grundgelenk sei oft durch eine Instabilität des sonst straffen ersten Metatarso-Cuneiforme-Gelenkes bedingt. Dieses Gelenk könne per Arthrodese stabilisiert werden, sagt Simon. Auch die Sesambeinchen oder Weichteile wie Sehnen haben wesentlichen Anteil an der Hallux-valgus-Bildung. Deshalb muss der Eingriff am Knochen immer mit Korrekturen an den Weichteilen (lateral Release) kombiniert werden.

Simon weist darauf hin, dass es häufig erworbene Knick-Plattfuß-Deformitäten sind, die dem gesamten ersten Strahl die Stabilität nehmen und zum Hallux valgus führen. Meist sei eine Dysfunktion oder eine Ruptur der Tibialis-posterior-Sehne der Grund. Solange noch keine Deformität vorliegt, könne die Sehne rekonstruiert werden. Bei Kindern und Jugendlichen mit flexiblem Knick-Plattfuß könne das Fußgewölbe mit Osteotomien aufgerichtet werden.

Die Hälfte aller Vorfußdeformitäten ist nach Angaben der Orthopädin auf Rückfußveränderungen zurückzuführen. Deshalb sei der Rückfuß für die Diagnostik bedeutsam: Funktionsprüfungen des Fußes unter Belastung im Stand und beim Abrollen seien erforderlich, außerdem anterior-posteriore sowie seitliche Röntgenaufnahmen unter Belastung im Stand und eventuell Spezialaufnahmen.

Klagen Patienten über schmerzhafte Folgen einer Keller-Brandes-Operation, bleibt oft nur die Interpositionsarthrodese durch Transplantation eines Knochenspans aus dem Beckenkamm. Andere Optionen sind dann komplexe Eingriffe am Fuß, mit denen Stehen und Gehen wieder möglich wird.

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