Ärzte Zeitung, 10.10.2011

Brustschmerz - das Herz ist es oft nicht

Wenn Brustschmerzen auftreten, denken viele: Das hat etwas mit dem Herzen zu tun. Doch das ist in den meisten Fällen falsch, nur bei jedem Sechsten ist es wirklich so. In der Praxis ist häufig eine andere spezielle Erkrankung Ursache für die Brustschmerzen.

Brustschmerz: Nur bei jedem Sechsten ist es das Herz

FRANKFURT/MAIN (mal). Es ist nicht immer das Herz: Die häufigste Diagnose bei erwachsenen Patienten mit Brustschmerz ist in der Praxis die einer neuromuskulären Erkrankung, eines Brustwandsyndroms.

In einer Studie bei Patienten mit dem Symptom Brustschmerz - alle mindestens 35 Jahren alt - sei bei 47 Prozent von ihnen eine solche Diagnose gestellt worden, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in ihrer Leitlinie "Brustschmerz".

Muskelverspannung und stechender Schmerz

Mit dem Begriff Brustschmerz seien dabei Schmerzen oder Missempfindungen im Bereich des vorderen und seitlichen Thorax gemeint, auch Brennen, Druckgefühl, Ziehen oder Stechen, unabhängig von konkreter Lokalisation oder Ausstrahlung.

Hinweise auf ein Brustwandsyndrom sind vor allem lokalisierte Muskelverspannung und ein stechender, durch Palpation reproduzierbarer Schmerz, so die Leitlinien-Autoren.

Luftnot und Husten sprechen gegen Brustwandsyndrom

Als Kriterien, die eher gegen ein Brustwandsyndrom sprechen, führen sie auf: bekannte Gefäßkrankheit, Luftnot, Husten, Atemwegsinfekt sowie Notwendigkeit eines Hausbesuchs.

Eine Druckempfindlichkeit über der zweiten anterioren costochondralen Verbindung sei ein häufiger Befund bei Fibromyalgie.

Schmerz im Bereich der Brustwand und der thorakalen Wirbelsäule könnte auf ankylosierende Spondylitis deuten.

Deutlich seltener als Brustwandsyndrom ist KHK

Deutlich seltener als ein Brustwandsyndrom waren in der Studie Herzkrankheiten (KHK 11 Prozent, akutes Koronarsyndrom 3,6 Prozent) Brustschmerz-Ursache.

Ein Instrument, um bei Brustschmerz die Wahrscheinlichkeit einer KHK abzuschätzen, ist laut Leitlinie der "Marburger Herz-Score".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bundestag will zweite Runde für TSVG

Die erste Anhörungsrunde zum Termineservicegesetz verlief erwartungsgemäß kontrovers. Der Gesundheitsausschuss hat für den 13. Februar eine weitere Anhörung angesetzt. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »