Ärzte Zeitung, 26.02.2004

Raloxifen ist mehr als Osteoporose-Schutz

Weniger kardiovaskuläre Ereignisse und weniger Brustkrebs

FRANKFURT AM MAIN (hbr). Der selektive Östrogen-Rezeptor-Modulator Raloxifen senkt rasch und anhaltend das Risiko, eine Wirbelkörperfraktur zu bekommen. Weitere Vorteile, so Privatdozent Dr. Peyman Hadji von der Universität Marburg, sind das physiologische Wirkprinzip sowie protektive Effekte auf Brust und Gefäße.

Das Risiko für Wirbelkörperfrakturen reduziere sich mit Raloxifen in ähnlichem Ausmaß wie mit den Bisphosphonaten, sagte Hadji bei einer Veranstaltung des Unternehmens Merckle in Frankfurt am Main. Raloxifen (vom Unternehmen als Optruma® angeboten) ist angezeigt zur Therapie bei Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose. Das Arzneimittel wirkt primär antiresorptiv.

So ergab die MORE-Studie (Multiple Outcome of Raloxifene Evaluation) eine rasche Senkung des Frakturrisikos, und zwar im ersten Jahr eine Reduktion der Rate der Wirbelbrüche um 68 Prozent bei Frauen mit hohem Risiko. Das Präparat wird unabhängig von Tages- und Mahlzeiten einmal täglich genommen und wird gut vertragen.

Raloxifen wirkt aber nicht nur auf die Knochen, so Hadji. Für die Patientinnen zählten auch weitere günstige Effekte, auf die die Vier-Jahres-Daten der MORE-Studie hinweisen: Demnach ist etwa bei Frauen mit hohem kardiovaskulärem Risiko, die Raloxifen erhalten, die Rate solcher Ereignisse um etwa die Hälfte geringer als bei Placebo. Besonders wichtig ist für Hadji auch die offenbar antiöstrogene Wirkung von Raloxifen auf die Brust.

In der MORE-Studie gab es bei den mit dieser Substanz behandelten Frauen signifikant weniger Mamma-Karzinome als mit Placebo. Die Rate der Östrogenrezeptor (ER)-positiven Karzinome war um über 83 Prozent geringer. "80 Prozent aller Mammakarzinome sind ER-positiv", erinnerte Hadji. Auch am Uterus wirkt Raloxifen als Östrogen-Antagonist.

Ein Osteoporose-Medikament mit solchen Zusatzeffekten würden zwei von drei Frauen bevorzugen, ermittelte eine EMNID-Umfrage unter 521 Frauen über 55 Jahren. 87 Prozent der Frauen ist bewußt, daß bei einer Osteoporose behandelt werden muß. Drei von vier fänden es gut, wenn ihr Arzt sie darauf ansprechen würde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Viele Gesundheitspolitiker verteidigen ihr Mandat

Die Großwetterlage hat sich verändert. Doch viele Fachpolitiker schaffen den Wiedereinzug ins Parlament. mehr »

Das Trauma nach der Loveparade

Das tödliche Gedränge bei der Loveparade im Sommer 2010 in Duisburg: Im ARD-Film "Das Leben danach" geht es um die Auswirkungen auf die traumatisierten Überlebenden. mehr »