Ärzte Zeitung, 07.12.2005

Antikörper attackiert B-Zellen, die IgM-Rheumafaktor bilden

Anti-B-Zell-Therapie beeinflußt protektive Immunabwehr kaum / Therapierefraktäre rheumatoide Arthritis als Indikation für Rituximab beantragt

BERLIN (gvg). Mit dem Antikörper Rituximab steht in der Rheumatologie voraussichtlich bald ein komplett neues Therapieprinzip zur Verfügung. Bisherige Erfahrungen sprechen dafür, daß die gegen B-Zellen gerichtete Behandlung die protektive Immunabwehr weitgehend unbeeinflußt läßt.

Wie Professor Thomas Dörner vom Deutschen Rheumaforschungszentrum der Charité Berlin erläuterte, ist die Anti-B-Zell-Aktivität von Rituximab (MabThera®) in erster Linie Folge einer über Komplement-Faktoren vermittelten Lysereaktion. Außerdem kommt es zu einer Aktivierung der Makrophagen, die die mit dem Antikörper Rituximab markierten B-Zellen letztlich durch Phagozytose beseitigen.

Rituximab hat sich jetzt, wie berichtet, in der Studie REFLEX (randomised evaluation of long-term efficacy of rituximab in RA) bei Patienten mit schwerer rheumatoider Arthritis (RA) bewährt. Die Studienteilnehmer hatten zuvor auf mehrere Therapien, darunter mindestens eine mit einem TNF-alpha-Blocker, nicht angesprochen.

Eine 20prozentige Verbesserung auf dem RA-Score des "American College of Rheumatology" zum Beispiel hatten 24 Wochen nach Therapiebeginn 51 Prozent der Patienten mit Rituximab erreicht, aber nur 18 Prozent der Patienten mit Placebo (jeweils zusätzlich zu einer Methotrexat-Basistherapie).

Rituximab wird seit 1998 in der Hämatologie angewandt, vor allem bei der Behandlung von Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen. Seit 2001 ist es für diese Indikation zugelassen. Erfahrungen mit über 700 000 Patienten aus diesem Indikationsbereich sowie aus den bisherigen Studien in der Rheumatologie hätten gezeigt, daß die protektive Immunantwort des Organismus durch die Ausschaltung der B-Zellen keinen Schaden nehme, sagte Professor Gerd Burmester, ebenfalls von der Charité Berlin, auf der vom Unternehmen Hoffmann-La Roche unterstützten Veranstaltung.

Wie Dörner ausführte, könnte der Grund dafür darin liegen, daß jene ausdifferenzierten Plasmazellen, die für die Produktion der protektiven IgG- und IgA-Antikörper zuständig sind, von Rituximab wegen des ihnen fehlenden CD20-Antigens nicht angegriffen werden.

Ergeben hat das etwa die Studie DANCER (dose-ranging assessment international clinical evaluation of rituximab in RA), in der sich der exemplarisch untersuchte Anti-Tetanus-IgG-Titer unter Rituximab-Therapie und unter Behandlung mit dem Antikörper plus Methotrexat über einen Beobachtungszeitraum von zwei Jahren praktisch nicht veränderte. Ganz anders ist das beim Rheumafaktor, einem mit schwereren RA-Verläufen assoziierten IgM-Autoantikörper, dessen Titer sich unter Rituximab-Behandlung deutlich und anhaltend verringert.

Auch in der jetzt vorgestellten REFLEX-Studie konnte der Antikörper seine relativ gute Verträglichkeit demonstrieren. Wie bei den anti-TNF-alfa-Strategien liege die Rate klinisch relevanter Infektionen nach sechs Monaten mit zwei Prozent etwa doppelt so hoch wie bei MTX-Monotherapie, so Burmester.

Wegen der günstigen Studienergebnisse hat das Unternehmen im September in den USA und Europa die Zulassung für Rituximab bei Patienten mit therapierefraktärer RA beantragt.

STICHWORT Aus dem Springer Lexikon Medizin

B-Zellen werden zu Plasmazellen

B-Lymphozyten ( B-Zellen) werden im Knochenmark, später im lymphatischen Gewebe gebildet. Sie wandern mit dem Blut vom Mark zu Milz und Lymphknoten. Nach Antigenkontakt können sie zu antikörperbildenden Plasmazellen oder B-Gedächtniszellen werden. Die Plasmazellen bilden spezifische Antikörper; die Gedächtniszellen sind für die Immunantwort beim Zweitkontakt mit dem Antigen wichtig.

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