Männerkrankheiten

Sammeln Sie CME-Punkte - 30 Tage kostenlos mit e.Med
Modul: Moderne Therapieoption bei ED und IPP – Zukunftsperspektiven der extrakorporalen Stoßwellentherapie

Weitere Module zu anderen Themen auf der Startseite unserer Sommerakademie
Ärzte Zeitung, 12.12.2016

Harnröhre

Urinier-Versuch erleichtert die Katheterisierung

Männer, die während des Schiebens eines Harnröhrenkatheters versuchen, die Blase zu entleeren, empfinden die Prozedur als weniger schmerzhaft.

TZERIFIN. Untersuchungen, die zum Thema hatten, wie Männern das Legen eines Harnröhrenkatheters angenehmer gemacht werden kann, konzentrierten sich hauptsächlich auf das verwendete Gleitgel, das üblicherweise mit einem Lokalanästhetikum versetzt ist. Doch bereits dessen Instillation ist keine Wohltat, angefangen vom Einführen der Spritzenmündung in die Öffnung der Harnröhre bis zur Dehnung der Urethra und schließlich des Sphinkters unter dem Druck des instillierten Gels. Und der Katheter erzeugt beim Vorschub vor allem an jenen Stellen Irritationen, die besonders stark afferent innerviert sind. Dazu gehört der externe (quergestreifte) Harnblasensphinkter. Gelänge es, ihn zu entspannen – wie dies beim Urinieren der Fall ist –, sollte die Katheterisierung weniger unangenehm sein.

Diese Vermutung hat eine Gruppe von Urologen um Kobi Stav vom Medizinischen Zentrum Assaf Harofeh in Tzerifin zu einer Studie inspiriert. Die israelischen Mediziner stellten zwei Gruppen von je 48 Männern, die zur urodynamischen Diagnostik überwiesen worden waren und nach der Uroflowmetrie zur Bestimmung der Restharnmenge katheterisiert werden sollten, einander gegenüber (Urology 2016, online 18. November). Die Männer der ersten Gruppe wurden angewiesen, nach der üblichen Vorbereitung mit Gleitmittel beim Vorschieben des 12-Ch-Tiemannkatheters zu versuchen, die Blase zu entleeren. Männer der zweiten Gruppe erhielten keine speziellen Anweisung.

Eine Skala von 0 bis 10 (stärkste Schmerzen) zugrunde gelegt, bezifferten die Männer, die während der Katheterisierung zu urinieren versuchten, ihre Missempfindungen im Durchschnitt auf einen Wert von 2. In der Vergleichsgruppe lag der Mittelwert für den Schmerzgrad bei 4 und damit doppelt so hoch. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war statistisch hochsignifikant.

Stav und Mitarbeiter weisen darauf hin, dass die Männer in der Studie keinen Harndrang spürten, da sie die Blase vor der Katheterisierung ja entleert hatten. Die Entspannung des Sphinkters geschieht in dieser Situation durch willentliche Aktivierung des Detrusors. Die Hemmung der Reflexaktivierung des Sphinkters erfolgt wahrscheinlich über eine Stimulation des afferenten Reflexbogens über den Nervus pudendus. Unter Harndrang wird der Sphinkter zunächst willentlich aktiviert und der Detrusor inhibiert. Nach Erreichen günstiger Umstände, etwa in Form eines Urinals, wird dann der Detrusor aktiv und der Sphinkter entspannt sich reflektorisch. Zwar sei die Studie mit Männern unternommen worden, so Stav und Kollegen. "Doch die physiologische Theorie spricht dafür, dass sich auf die gleiche Weise auch die Katheterisierungsschmerzen von Frauen lindern lassen." Um dies zu klären, seien weitere Studien erforderlich. (rb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Zuckerbrot und Peitsche für Ärzte

Gesundheitsminister Spahn nimmt die "Hobbypraxen" ins Visier. Mehr Kontrolle, aber auch mehr Geld für Ärzte sieht der Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes vor. mehr »

Deutlicher HIV-Anstieg in fast 50 Ländern

In fast 50 Ländern steigt die Zahl der HIV-Neuinfektionen – in manchen drastisch. Auf der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam beraten Experten in dieser Woche, wie sich der Trend aufhalten lässt. mehr »

Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. mehr »