Ärzte Zeitung online, 10.12.2018

Urologie

Hohes Risiko für Blasenkrebs bei BPH

Die Blasenkrebsrate ist bei Männern mit benigner Prostatahyperplasie (BPH) rund vierfach erhöht. Darauf deutet eine Analyse von Versicherungsdaten aus Taiwan.

Von Thomas Müller

Hohes Risiko für Blasenkrebs bei BPH

Haben Männer mit BPH ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs, weil Karzinogene dadurch länger in Kontakt mit dem Blasenepithel stehen? Noch ist diese Erklärung für das erhöhte Risiko wissenschaftlich nicht sicher belegt.

© Mathias Ernert, Urologische Klinik, Universitätsklinikum Mannheim

TAINAN. Eine BPH führt bekanntlich nicht nur zu Harnwegsbeschwerden, sondern auch zu einem erhöhten Restharnvolumen. Dieses könnte wiederum das Blasenkrebsrisiko erhöhen, weil Karzinogene dadurch länger in Kontakt mit dem Blasenepithel stehen. Die Datenlage dazu sei allerdings recht widersprüchlich, berichten Ärzte um Dr. Chu-Wen Fang vom Chi Mei Medical Center in Tainan, Taiwan.

So hätten einige der bisherigen Untersuchungen keinen klaren Zusammenhang zwischen Blasenkrebs und BPH ergeben, andere wiederum nur für Männer mit bestimmten Komorbiditäten wie Typ-2-Diabetes. Die Autoren einer kürzlich veröffentlichten Metaanalyse wiederum hatten deutliche Hinweise für ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko unter Männern mit BPH gefunden.

Daten von 17.500 Männern

Die Forscher um Fang schauten nun, ob sich aus der nationalen Krankenversicherungsdatenbank des Inselstaates ähnliche Hinweise ergeben (Worl J Urol 2018; 36: 931–8). Sie fanden rund 17.500 Männer, die in den Jahren 2000–2005 eine BPH-Diagnose erhalten hatten, aber bislang an keiner Tumorerkrankung litten. Diesen stellten sie ebenso viele zufällig ausgewählte Männer ohne BPH im selben Alter gegenüber.

Die Männer waren bei der Aufnahme in die BPH- und Kontrollgruppe im Schnitt jeweils 64 Jahre alt. Männer mit BPH hatten jedoch häufiger Diabetes (18 versus 13 Prozent), Harnwegsinfekte in der Vergangenheit (26 versus 5 Prozent), eine Hydronephrose (1,7 versus 0,3 Prozent) sowie eine Niereninsuffizienz (13 versus 7 Prozent), auch suchten sie insgesamt häufiger einen Arzt auf als die Männer in der Kontrollgruppe.

Während der Nachbeobachtungsdauer von bis zu zwölf Jahren wurden in der BPH-Gruppe 145 Blasenkrebsdiagnosen gestellt, nur 29 waren es in der Kontrollgruppe. Die Rate war mit 0,83 versus 0,17 Prozent in der BPH-Gruppe folglich knapp fünffach höher. Ein ähnlicher Unterschied ergab sich bezogen auf jeweils 1000 Personenjahre mit einer Rate von 1,03 und 0,22 Blasentumoren. Wurden sämtliche Begleiterkrankungen, der Tabakkonsum sowie der Wohnort der Teilnehmer berücksichtigt, ermittelten die Ärzte um Fang noch eine 4,1-fach erhöhte Blasenkrebsinzidenz in der Gruppe mit BPH.

Am höchsten war die Inzidenz unter BPH-Patienten in der Altersgruppe von 65–74 Jahren. Hier wurden knapp 1,6 Blasentumoren auf 1000 Patientenjahre diagnostiziert – sechsfach mehr als bei Männern ohne BPH. Ebenfalls deutlich erhöht war die Inzidenz unter Männern mit BPH und Niereninsuffizienz (1,31 pro 1000 Personenjahre) sowie Männern, die sich einer transurethralen Prostataresektion unterzogen (1,91 auf 1000 Patientenjahre). Solche Männer entwickelten deutlich häufiger Blasentumoren als BPH-Patienten ohne Nierenprobleme oder TURP.

Verlängerter Karzinogenkontakt?

Vermutlich haben TURP-Patienten eine obstruktivere BPH als solche, die keinen chirurgischen Eingriff benötigen, mutmaßen die Autoren. Möglich sei aber auch, dass die TURP über Komplikationen wie Blasenhalskontrakturen das Karzinomrisiko erhöhe.

Insgesamt deute ihre Analyse auf ein stark erhöhtes Risiko für Blasentumoren unter Männern mit BPH. Dies spreche für die Hypothese, wonach ein gewisses Restharnvolumen den Karzinogenkontakt verlängere und dadurch das Tumorrisiko erhöhe.

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