Ärzte Zeitung, 14.01.2010

Botulinumtoxin zähmt überaktive Blase

Zur Behandlung bei überaktiver Blase ist eine neue Option in Sicht: Botulinumtoxin zähmt die Überaktivität der Blase rasch für bis zu zwölf Monate.

MANNHEIM (bd). Wenn es bei Patienten mit überaktiver Blase durch orale Medikamente nicht zu einer Besserung kommt oder sie die unerwünschten Wirkungen nicht tolerieren, können Injektionen von Botulinumtoxin weiterhelfen.

Manchmal helfen bei Patienten mit Reizblase weder Diät oder Verhaltenstherapie noch die Behandlung mit Hormonpräparaten oder Anticholinergika. Darauf hat Professor Markus Hohenfellner bei der 21. Jahrestagung der Deutschen Kontinenzgesellschaft in Mannheim aufmerksam gemacht. Auch komme es immer wieder vor, dass Patienten die Therapie mit Anticholinergika nicht über längere Zeit tolerieren. Grund seien die unerwünschten Wirkungen der Substanzen, vor allem Mundtrockenheit, Obstipation und Lichtempfindlichkeit, sagte der Urologe aus Heidelberg.

Botulinumtoxin - übrigens eines der stärksten natürlich vorkommenden Gifte - entspanne die Muskeln und werde daher in geringsten Konzentrationen zu diesem Zweck genutzt, zum Beispiel in der Orthopädie zur Lockerung chronischer Spasmen oder auch in der ästhetischen Dermatologie zur Glättung von Gesichtsfalten.

Insofern war es naheliegend, Botulinumtoxin auch zur Behandlung bei spastischer Blase oder überaktivem Blasenmuskel, dem sogenannten Overactive Bladder Syndrome (OAB), einzusetzen, wie Hohenfellner erläuterte. An der Urologischen Universitätsklinik in Heidelberg werde das Mittel in dieser Indikation erfolgreich angewandt. "Wir injizieren mit einer feinen Nadel das hochverdünnte Medikament an mehreren Stellen in die Wand der Harnblase", so Hohenfellner. Das geschieht unter Kurznarkose und dauert fünf bis zehn Minuten. Die Überaktivität der Blase und damit die Harninkontinenz seien dann bei den meisten Patienten sofort und ohne unerwünschte Wirkungen behoben.

Die Patienten könnten schon einen Tag nach dem Eingriff das Krankenhaus verlassen und wieder ein normales Leben führen, berichtete der Urologe. Der Nachteil des Verfahrens: Die Wirkung hält nur neun bis zwölf Monate an, sodass die Injektion danach meist wiederholt werden muss. Wegen der Anästhesie sollten die Patienten zumindest einen Tag auf der Station bleiben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Aktionsplan soll Gesundheitskompetenz stärken

15:00Gesundheitsinfos sind in vielfältiger Form der Bevölkerung heute zugänglich. Doch mit der richtigen Einordnung und Umsetzung hapert es oft. Das soll sich ändern. mehr »

Hepatitisviren lauern auf Fingernägeln und Nagelscheren

HBV-Infizierte sollten ihre Nagelscheren nicht mit anderen teilen – offenbar besteht ein Infektionsrisiko. Auch bei Zahnbürsten und Rasierapparaten gilt Vorsicht. mehr »

Infarktgefahr durch schnellen Anstieg von Stickoxiden

Hohe Stickoxidkonzentrationen in der Umgebungsluft können unter anderem das Herzinfarktrisiko erhöhen. Aber auch ein schneller NO-Anstieg scheint gefährlich zu sein. mehr »