Direkt zum Inhaltsbereich

Nierenschwäche - da geht's um die richtige Ernährung

Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz bremst die richtige Ernährung den Verlauf der Erkrankung. Zudem lässt sich so die Prognose verbessern.

Von Kerstin Nees Veröffentlicht:

Durch eine angepasste Ernährung können Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz (CNI) den Verlauf ihrer Erkrankung beeinflussen. Zunächst kommt es darauf an, durch eine moderate Eiweißzufuhr die harnpflichtigen Substanzen im Blut niedrig zu halten. Gleichzeitig dürfen Nierenkranke aber auch nicht zu wenig essen. Denn eine Mangelernährung verschlechtert die Prognose. Bedeutsam ist die Aufnahme von Natrium, Kalium, Phosphor und Flüssigkeit.

"Eine Ernährungsberatung sollte schon in einem frühen CNI-Stadium erfolgen", fordern Professor Peter Jehle, Dr. Kerstin Rehm und Martina Jentzsch vom KfH-Nierenzentrum in Lutherstadt Wittenberg. Die Erkenntnisse zur Ernährung bei Niereninsuffizienz haben die Nierenspezialisten der Zeitschrift "Nephrologe" (3, 2008, 108) zusammengefasst. Die Ernährung hängt ab von den Phasen der CNI und richtet sich nach den Laborwerten.

In der Frühphase geht es vor allem um eine Hemmung der Krankheitsprogression durch diätetische Maßnahmen, im fortgeschrittenen Stadium um eine kalorisch ausreichende Ernährung. CNI-Patienten haben einen erhöhten Energiebedarf, führen aber zu wenig Energie zu. Dies begünstigt einen Eiweiß- und Kalorienmangel bei 20 bis 50 Prozent der Prädialyse-Patienten und bei 70 Prozent der Dialyse-Patienten. Bereits bei milder Ausprägung verringert die Malnutrition die Überlebensrate.

Eiweiß dürfen die Patienten im Stadium I täglich 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht essen. Das entspricht der Empfehlung für Gesunde. Dabei sollten sie auf möglichst hohe biologische Wertigkeit des Nahrungseiweißes achten. Günstig sind Kombinationen von Kartoffeln und Ei, Bohnen und Ei oder Getreide und Milch. Pflanzliche Proteine sind günstiger als tierische. Bei weiterem Verlust der glomerulären Filtrationsrate ist eine Eiweißreduktion auf 0,6 g pro Kilogramm Körpergewicht - vor allem bei Diabetikern und Hypertonikern - sinnvoll. Durch die reduzierte Eiweißzufuhr nehmen Nierenkranke Phosphat auf.

Eine ausreichende Eiweißzufuhr (1,2 g/kg KG) ist bei fortgeschrittener CNI (spätestens ab Stadium IV) und bei Dialysepatienten erforderlich. Einer Studie zufolge nehmen Dialysepatienten häufig nicht genug Eiweiß und Kalorien zu sich. Sie profitieren von einer parenteralen Ernährung mit aminosäurehaltigen Lösungen. Eine kochsalzreduzierte Kost mit höchstens 5 bis 6 g Natrium täglich sollte bereits im Frühstadium angestrebt werden. Zuviel Natrium ist ungünstig, es kann das Fortschreiten der Niereninsuffizienz beschleunigen. Eine kaliumarme Ernährung ist bei Hyperkaliämie nötig. Sie kann schon früh auftreten. Bei Magnesium besteht eher ein Mangel. Durch eine Substitution wird die Funktion der Muskulatur verbessert und einem sekundären Hyperparathyreoidismus sowie einer Hypertonie entgegengewirkt. Besonderes Augenmerk sollte außerdem auf Kalzium und Phosphor liegen. Die Kalziumbilanz ist in den frühen Stadien der Niereninsuffizienz negativ, zudem liegt meist eine Hyperphosphatämie vor. Hier sind kalziumreiche Phosphatbinder indiziert. Außerdem sollte die Nahrung arm an Phosphat und reich an Kalzium sein. Eine metabolische Azidose lässt sich durch Bikarbonat vollständig ausgleichen. Die Fähigkeit der Niere, Wasser auszuscheiden, lässt erst im Endstadium nach. Bis dahin ist zur Entlastung hohe Flüssigkeitszufuhr von 2 bis 2,5 Liter pro Tag sinnvoll. Vitamin-Substitution kann bei einseitiger Ernährung sinnvoll sein. Empfehlenswert sind bei Dialyse wasserlösliche Vitamine sowie Vitamin D.

Alle drei Monate neu: Special "ernährung"

Welche Nahrungsmittel sind für Patienten mit entzündlichen Erkrankungen wie Rheumatoider Arthritis, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Zöliakie empfehlenswert und welche nicht? Antworten gibt das Special "ernährung" mit dem Schwerpunktthema "Entzündung und Ernährung", das am 26. Februar der "Ärzte Zeitung" beiliegen wird. Das viermal im Jahr erscheinende Special "ernährung" will Sie mit Beiträgen zu einem Themenschwerpunkt und Hintergrundinformationen in Ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Die Themen bisher: Mangelernährung, Adipositas. (eb)

Zum Special "ernährung" »

Mehr zum Thema

Akute Belastung versus chronische Schäden

Marathonläufer sollten ihren Nierenstatus kennen

Seltene Erkrankungen

Geht an die Nieren: AA-Amyloidose

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Medibiom

© Medibiom

MEDICE

MEDIBIOM – Darmgesundheit neu gedacht!

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rückblick

Ein Jahr Alzheimer-Antikörper: Was sich getan hat

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt