Ärzte Zeitung, 30.03.2007

Roboter ermöglicht potenzerhaltende Prostata-Op

Laterale Prostata-Faszie wird bei dem Verfahren geschont / Fast alle Männer sind nach der Op weiterhin potent

BERLIN (gvg). Bei einem neuartigen Verfahren hilft ein Roboter den Chirurgen bei der Prostata-Operation. Das Ergebnis lässt sich sehen: Bei bis zu 98 Prozent der Patienten mit Prostata-Karzinom bleibt die Potenz erhalten. Die Methode funktioniert allerdings nur bei sehr kleinen Tumoren.

Impotenz ist eines der häufigsten Probleme nach einer radikalen Prostatektomie. Es gibt Untersuchungen, in denen nicht einmal jeder vierte Patient über ein zufrieden stellendes Sexualleben nach einer solchen Prostata-Op berichtet. Die Quote variiert je nachdem, wie gut die Nervenstrukturen erhalten werden können, die für eine Erektion nötig sind. Doch auch nach einer Nerven erhaltenden Op hätten noch viel zu viele Patienten Potenzprobleme, sagte Professor Manfred Wirth von der Urologischen Klinik der TU Dresden.

Auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) berichtete Wirth über ein neues Op-Verfahren, bei dem ein Roboter den Chirurgen assistiert.

Roboter werden in der Prostata-Chirurgie zunehmend verwendet. Allein in den USA wurden im Jahr 2006 33 000 roboterassistierte Prostatektomien gemacht. Das Verfahren gilt als schonender als die klassische Op und kann zu kürzeren Klinikaufenthalten führen.

Eine Weiterentwicklung des Roboterverfahrens trägt den Spitznamen "Veil of Aphrodite" - der "Schleier der Aphrodite". Bei dieser äußerst schonenden Op-Technik bleibt die laterale Prostata-Faszie erhalten. Dies ist eine Region, in der offenbar besonders viele der für die Erektion nötigen Nervenfasern verlaufen. "Im Idealfall wird diese Faszie auf beiden Seiten geschont. Gelingt das, kann bei bis zu 98 Prozent der Patienten trotz radikaler Prostatektomie die Potenz erhalten werden", so Wirth.

Kleiner Schönheitsfehler des Verfahrens: Es funktioniert nur bei Tumoren, die sehr früh erkannt werden. Je nach individueller Anatomie müssen sie einen Durchmesser von unter 1 cm haben, so Wirth.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »