Zwischen Artenschutz und Ausbeutung: die "Wüstenapotheke"

STRASSBURG (ag). Sie wachsen mitten in der Wüste und versprechen Linderung bei Rheuma, bieten eine Alternative zu Antibiotika oder eine preiswerte Behandlung von HIV-Patienten - Pflanzen aus der "Wüstenapotheke".

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Pflanzen wie die Teufelskralle sind immer begehrter. Ein harter Kampf zwischen Artenschutz und Ausbeutung scheint unausweichlich. Die "Wüstenapotheke" ist Titel einer Dokumentation, die Arte heute abend um 19 Uhr zeigt.

Buchstäblich mitten in der Wüste wachsen Pflanzen, die erstaunliche Heilerfolge bei ernsten Erkrankungen bieten. Bisher wurden diese Heilpflanzen von der westlichen Welt kaum beachtet. Nur die Medizinmänner nutzten die Pflanzen. Jetzt hat die Wissenschaft ihre gewinnbringenden Eigenschaften erkannt, und die Jagd auf die "Wüstenapotheke" ist eröffnet.

Das gab es schon einmal in der Geschichte der Menschheit: Die "Dschungelapotheke" wurde rücksichtslos ausgebeutet. Droht der "Wüstenapotheke" dasselbe Schicksal? Haben die Einheimischen eine Chance? Der Film von Daniel Oliver Bachmann, Rolf Jost begleitet einige Protagonisten und gibt Antworten auf diese Fragen.

Der Heilkundler Eberhard von Koenen auf der Omaruru Farm in Namibia ist ein "Wüsten-Apotheker". Er fährt zu einem Medizinmann im Buschmannland. Inmitten der fantastischen Landschaft der ältesten Wüste der Welt mit ihren uralten, versteinerten Sanddünen erklärt der Medizinmann die verschiedenen Anwendungen der Heilpflanzen.

Gero Diekmann, ein Farmer, reist auf der Suche nach der begehrten Exportware in seinem alten Landrover durch die Kalahari, eine der unwirtlichsten Gegenden der Welt. Er arbeitet mit den Buschleuten zusammen und bezahlt ihnen einen "fairen Preis". Besonders die Teufelskralle - eine begehrte Heilpflanze, die in Deutschland gegen Rheuma eingesetzt wird - steht auf seiner Einkaufsliste. Diese Pflanze ist stark bedroht. Sie wächst nur in der Kalahari, und bei einem Export von 600 Tonnen jährlich, ist sie vom Aussterben bedroht.

Diekmann ist der Überzeugung, die Teufelskralle läßt sich nicht kultivieren - aber möglicherweise hat die moderne Zeit den alten Wüstenkämpfer schon überholt. Auf der anderen Seite der Kalahari, in Südafrika, betreibt Professor Dieter von Willert von der Uni Münster mitten in der offenen Akaziensavanne ein Forschungsprojekt der ganz besonderen Art. Gemeinsam mit einer Tswana Familie kultiviert er die Teufelskralle, um Markt und Artenschutz zu befriedigen.

Andere begehrte Pflanzen der "Wüstenapotheke" sind der Hoodia-Kaktus, aus dem ein US-Pharmakonzern eine Schlankheitspille entwickelt hat, und die Sutherlandia, die HIV-Patienten in Südafrika helfen soll. Manche Pflanzen zeigen eine solch erstaunliche Heilwirkung, daß ein harter Kampf zwischen Artenschutz und Ausbeutung unausweichlich scheint.

Der Film untersucht, wie das Wissen der Medizinmänner aus dem südlichen Afrika für die Behandlung gegen westliche Zivilisationskrankheiten genutzt wird - und wie diese Völker, die meist ums Überleben kämpfen, vom Gewinn aus dem Handel profitieren können.

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