Ärzte Zeitung, 29.11.2005

Lernstudio wird von Studenten in Eigenregie betrieben

Moderne Multimediatechnik soll das Lernen erleichtern / Zu Übungszwecken kann man sich auch einzelne künstliche Körperteile ausleihen

GREIFSWALD (di). Den 1415 Medizinstudenten in Greifswald steht ein neues Lernstudio mit moderner Technik, medizinischen Übungsmodellen und nach Bedarf mit Schauspielern als Patienten zur Verfügung. Das Studio wird von den Studenten selbst betrieben.

Alles nur simuliert - das lebensechte Üben soll auf den späteren Umgang mit Patienten vorbereiten. Foto: Uni Greifswald

"Der Stoff wird damit verständlicher und interessanter verpackt", sagte Medizinstudent Rafael Szajak der "Ärzte Zeitung" nach der Eröffnung des Lernstudios. Der Drittsemestler ist einer der vier studentischen Tutoren, die das Studio in Eigenregie betreiben. Lernstudios für Medizinstudenten gibt es bereits an fünf Standorten in Deutschland. Das Besondere an Greifswald: Hier stehen die Räume jedem Medizinstudenten offen.

In den sechs Räumen können sie Montag bis Donnerstag zu festen Zeiten nach Vorlesungsende und nach Bedarf ihre Kenntnisse vertiefen. Neben moderner Multimediatechnik kann der Nachwuchs sich einzelne künstliche Körperteile zur Untersuchung ausleihen: Puppen können Injektionen verabreicht, Herzgeräusche am Thorax abgehört, ein Arm zur Ader gelassen und die Muskelgruppen am Bein untersucht werden.

Neben Dummies stehen bei Bedarf auch Schauspieler zur Verfügung. Wie berichtet, gibt es in Greifswald eine Kooperation zwischen der Theaterakademie Vorpommern und der medizinischen Fakultät. Die Schauspielschüler simulieren Krankheiten.

Die Studenten erwarten, daß sie sich in den Übungsräumen Prüfungsaufgaben selbst erarbeiten und Lösungen nachvollziehen können. Im Multimediaraum haben sie Zugriff auf moderne interaktive Lernsoftware und die Möglichkeit, Arzt-Patienten-Interaktionen digital aufzuzeichnen.

Jeder Raum ist mit einem PCArbeitsplatz ausgestattet und bietet mehrere Internetanschlüsse für Laptops, über die Zugang zur Literaturdatenbank der Bibliothek besteht. Denn trotz aller Übungsmodelle wird nach Ansicht Szajaks das Lesen von medizinischer Fachliteratur weiterhin im Vordergrund stehen: "Am wichtigsten sind für uns immer noch die Bücher."

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