Ärzte Zeitung, 13.07.2007

Farbenfrohe Bilder und Collagen drücken Mut zur Zukunft trotz MS aus

Kreativ Wettbewerb für Patienten mit Multiple Sklerose / Sieger in vier Kategorien

HAMBURG (di). Nach der Diagnose Multiple Sklerose (MS) fühlte sich Elisabeth Bürger "wie im Sturm auf einem großen Schiff". Sich selbst sah sie am Steuerrad, den Blick nach vorn in die Zukunft gerichtet, an Bord Familie und Freunde zur Unterstützung auf hoher See.

Die Siegerin in der Kategorie Bild malte farbenfrohe Figuren ohne Gesichter. Sie sollen zeigen, dass MS jeden treffen kann. Fotos: di

Diese Empfindungen spiegeln sich auch in ihrem selbst gebastelten Modellschiff "MS Elisabeth", mit der die Berlinerin in der Kategorie Bastelarbeit beim Kreativ Wettbewerb des MS College den ersten Platz belegte. Der Optimismus, den die Arbeiten von Elisabeth Bürger und mehr als 80 weiteren MS-kranken Teilnehmern ausstrahlen, beeindruckte die Jury am meisten.

Für den niedergelassenen Neurologen Dr. Gerd Reifschneider zeigt sich darin ein Paradigmenwechsel: Nicht mehr das Schreckensbild vom Rollstuhl dominiert heute nach der Diagnose MS, sondern die Hoffnung, das Leben mit der Krankheit zu meistern. Reifschneider, der in Frankfurt eine MS-Schwerpunktpraxis betreibt, führt dies auch auf die Fortschritte in der Behandlung zurück.

Dennoch brauchen Betroffene und Angehörige nach Erfahrungen von Dorothea Pitschnau-Michel, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Unterstützung: "Nach der Diagnose muss man sein Leben komplett neu organisieren." Den Wettbewerb des MS-College sieht sie als wichtigen Schritt, den dafür erforderlichen Mut zu vermitteln.

Barbara Techentin aus Niedersachsen, Mutter eines kürzlich an MS erkrankten Sohnes, drückte diesen Mut in einem farbenfrohen Bild aus, auf dem die Figuren keine Gesichter haben - als Zeichen, dass die Krankheit jeden treffen kann. Sie bekam für den ersten Preis in der Kategorie Bild. Vor der Erkrankung ihres Sohnes, bekannte die Krankenschwester bei der Preisverleihung in Hamburg, waren MS und eine aktive Zukunftsgestaltung für sie noch widersprüchlich - heute nicht mehr.

Doris Seiler aus Bayern wählte eine Collage, die sie das "AktivAuge" taufte, um zu zeigen, dass MS-Kranke weiterhin aktiv am Leben teilnehmen. Lukasz Jedrzejek aus Görlitz gewann in der Kategorie Foto mit der Aufnahme eines Wanderers auf einem langen Weg vor einer Nebelbank. "Trotz der Unsicherheit - es lohnt sich, es zu versuchen", kommentierte er seine Aufnahme. Ermittelt wurden die Sieger per Online-Wahl, nachdem zuvor eine Jury die zwölf Finalisten ausgewählt hatte.

Alle Kreativbeiträge sind zu sehen unter www.mscollege.de

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