Ärzte Zeitung, 17.12.2007
 

Gegen den Willen zum Mann gemacht

Prozess gegen ehemaligen Kölner Chirurgen / Eierstöcke und Gebärmutter wurden ohne Aufklärung entfernt

KÖLN (dpa). Sie hat das Gesicht eines Mannes und sie spricht wie ein Mann, doch sie fühlt sich eher wie eine Frau. Christiane V., die offiziell Thomas heißt, ist intersexuell. Seit Mittwoch vergangener Woche klagt die 48 Jahre alte Krankenpflegerin gegen einen Chirurgen, der ihr vor 30 Jahren intakte Eierstöcke und Gebärmutter entfernte.

Mit dem Prozess vor dem Kölner Landgericht und der Forderung nach 100 000 Euro Schmerzensgeld lenkt die Klägerin den Blick auf das weitgehend unbeachtete Schicksal vieler anderer Zwitter. "Ich habe mich mein Leben lang gefragt: Was bin ich eigentlich für ein merkwürdiges Wesen", so die Klägerin.

Schätzungen zufolge leben bis zu 100 000 intersexuelle Menschen in Deutschland. Nach Angaben von Selbsthilfegruppen werden fast alle Betroffenen mit uneindeutigen Genitalien schon im Babyalter operiert. Sie haben aber später oft Identitätsprobleme und leiden unter psychischen und physischen Störungen. Für zwischengeschlechtlich Geborene könne es der völlig falsche Weg sein, eine eindeutige Geschlechtsidentität zugewiesen zu bekommen, bestätigt auch die Sprecherin des Vereins Intersexuelle Menschen.

Vergrößerte Klitoris für Penis gehalten.

Christiane etwa wurde bei ihrer Geburt als männlich identifiziert, weil die Klinik damals eine vergrößerte Klitoris für einen Penis gehalten hatte. Sie wurde als Junge großgezogen, bekam Hormonpräparate, litt unter mehreren Krankheiten und hörte zu früh auf zu wachsen. Mit 18 wurde dann bei einer Blinddarmoperation entdeckt, dass Gebärmutter und Eierstöcke intakt waren. Diese wurden ihr ohne ausreichende Aufklärung über die Folgen - so der Vorwurf - von dem beklagten Chirurgen entfernt.

Verjährungsfristen und der fehlende Op-Bericht machen den Fall juristisch besonders schwierig. Unabhängig vom Ausgang soll aber der Prozess Menschen mit ähnlichem Schicksal Mut machen, sich mit ihrer Intersexualität aktiv auseinanderzusetzen, hofft nun die Klägerin.

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