Ärzte Zeitung, 02.11.2010
 

Clown-Doktor Adams: "Die Liebe muss man immer wieder üben"

Als Clown will Dr. Patch Adams den Menschen das Lieben beibringen. Der Begründer der Clown-Sprechstunden arbeitet auch mit Kriegsopfern.

"Die Liebe muss man immer wieder üben"

Dr. Patch Adams, Begründer der Clown-Sprechstunden, in Aktion.

© Wulfert

Von Eugenie Wulfert

BERLIN. Die Liebe ist für die meisten Menschen das Wichtigste im Leben. Das kann auch der amerikanische Arzt Dr. Patch Adams bestätigen. Er fragt sein Publikum seit über 20 Jahren, ob sie sich etwas wichtigeres als die Liebe vorstellen könnten. Nur Wenige haben sich je mit Alternativen gemeldet. Wenn er aber wissen wollte: "Was ist deine Liebes-Philosophie?" hatte niemand eine Antwort darauf. "Weder denken wir über die Liebe nach, noch lernen oder sprechen wir darüber" beklagt Patch Adams.

Die Liebe sei aber das Fundament für alles, auch für sein Engagement für Kinder. Dr. Hunter "Patch" Adams gilt als Begründer der Clown-Sprechstunde. Und er gilt auch als Inspirationsfigur für den weltweiten Kino-Erfolg des Films "Patch Adams" mit Robin Williams in der Hauptrolle. Der Film machte die Idee der Clown-Sprechstunden auch in Deutschland populär.

Da tappst Adams also in seinen riesigen Clown-Schuhen die Treppe des Vivantes-Klinikums in Berlin hoch. Ein großer Mann mit langen zu einem Zopf zusammengebundenen Haaren, die blau schimmern, und einem Schnauzbart, auf den auch Salvador Dali stolz wäre. Patch Adams hat eine Mission zu erfüllen: Den Menschen zu zeigen, wie sie lieben lernen. "Es gibt Milliarden von Dingen, die man lieben kann. Von all diesen Dingen wählen wir nur zu oft Geld und Macht", bedauert der Arzt. Denn es sei viel einfacher gemein und rücksichtslos zu sein, als zu lieben. "Der Workshop wird euch näher gehen, als ihr vermuten könnt", warnt er die Teilnehmer geheimnisvoll.

"Die Liebe muss man immer wieder üben"

Die Liebe zu Menschen muss man immer wieder üben, sagt Clowndoktor Dr. Patch Adams.

© Wulfert

Man muss die Liebe genauso üben, wie beispielsweise Geige-Spielen, wenn man gut werden wolle. Davon ist Patch Adams überzeugt. Gesagt, getan. Die erste Übung in Sachen Liebe: Die Teilnehmer müssen sich auf den Boden legen, die Augen schließen und an jeden einzelnen Menschen dieser Welt mit Liebe denken. Keine einfache Aufgabe bei etwa sieben Milliarden Erdenbewohner.

Das ist aber erst der Anfang. Danach müssen sich die Teilnehmer einen Partner suchen, den sie nie zuvor gesehen haben. Zögerlich finden sich Pärchen. "Und jetzt: Umarmt euch", sagt Adams. Er ist sogar bereit, die richtige Ausführung zu demonstrieren. Minutenlang kuscheln fremde Menschen miteinander. "Viele Menschen auf dieser Welt haben noch nie gespürt, was es heißt, zärtlich berührt zu werden", so Adams.

Aber damit nicht genug. Spätestens bei der nächsten Übung stoßen die Meisten an ihre persönlichen Grenzen. Jeder Teilnehmer muss das Gesicht eines ihm Fremden in die Hände nehmen, ihm tief in die Augen schauen und "Ich liebe dich" sagen. Minutenlang. "Ihr müsst es ehrlich meinen", kommt die unmöglich anmutende Anweisung von Patch Adams, der das den Workshop auf Englisch hält. Es gehe darum, sich für die Mitmenschen, die Natur, das Leben zu öffnen. Den meisten Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, falle es unglaublich schwer, Intimität zuzulassen. "Man muss das immer wieder üben", lautet der Rat des Mediziners.

Berührung, Fürsorge und Liebe seien eine universelle Sprache. Sie bilden die Grundlage für seine Arbeit mit Menschen in den Krisengebieten und Flüchtlingslagern. Gleichgültig, in welchem Land er ist, welche Sprache dort gesprochen wird, werde er von den Menschen verstanden. "Ich suche geradezu nach Menschen, die das größte Leid erleben. Denn meine Hilfe wird dort am dringendsten gebraucht". Er dringe oft ungefragt in ihre Intimsphäre ein und erzwinge geradezu die für die Seele so heilsame Nähe. "Wenn ich als Clown auftrete, frage ich niemanden um Erlaubnis", sagt Adams.

Er ist ein Exzentriker mit einer großen Vision: Er will die Welt mit Liebe, Zuneigung und Engagement retten. Seit den 70er Jahren träumt er von seiner eigenen kleinen, heilen Welt. Er plant ein Krankenhaus im US-Bundesstaat Virginia, in dem keiner für die medizinische Behandlung bezahlen muss. Hier sollen Lebensfreude und Kreativität die Hauptrolle spielen.

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