Ärzte Zeitung, 22.06.2012

Ein Freund, ein guter Freund ...

39 Prozent der Männer haben ihren besten Freund während der Schulzeit kennengelernt. Aber was macht eine wahre Männerfreundschaft tatsächlich aus? Die Forschung liefert Antworten.

Von Pete Smith

Ein Freund, ein guter Freund...

Freunde fürs Leben.

© Liz Gregg / Getty Images

Männer hören zu. Männer vertrauen einander die geheimsten Geheimnisse an. Männer fackeln nicht lang. Ihre Ratschläge treffen meistens genau auf den Punkt und nur im angetrunkenen Zustand unter die Gürtellinie.

Männer fachsimpeln miteinander genauso ernsthaft über das Mysterium des Lebens wie über das Mysterium Frau. Mit wem sollten sie über Fußball reden wenn nicht mit Ihresgleichen?

Und ja - wenn sie nach dem Sport nebeneinander unter der Dusche stehen, riskieren sie durchaus einen Blick. Nicht um sich mit dem Freund zu vergleichen, schließlich kennen sie sich seit ihrer Kindheit, sondern um sich zu vergewissern, dass alles so ist wie früher.

Nur selten telefonieren Männer mit ihren Freunden, viel lieber treffen sie sich auf ein Bier. Männer gehen nie zusammen auf die Toilette. Nie! Allenfalls in den Wald. Zum Wildpinkeln.

Abenteuer, die zusammenschweißen

Was macht eine wahre Männerfreundschaft aus? Darüber zerbrechen sich vor allem Frauen den Kopf. Und beschwören nicht selten einen Mythos herauf, der gar keiner ist.

Offenbar gründet manche Auffassung im Brackwasser der Geschichte, als die Herren Snobs in Freimaurerlogen oder Gentlemen's Clubs Staatsstreiche planten und Zigarre rauchend und Whiskey trinkend unter sich blieben.

Allerdings pflegten sie in diesen elitären Zirkeln alles außer Freundschaft. Was die an überkommenen Traditionen orientierten Vorstellungen beflügelt, sind Umfragen, in denen Männer die wichtigsten Eigenschaften eines Freundes nennen sollen und Ehrlichkeit, Vertrauen sowie Verschwiegenheit voranstellen.

Was soll man davon halten? Sind Männerfreundschaften eine Spielwiese, auf der das banale Leben tobt, oder eine Dunkelzone für den Overkill der Fantasie?

Einer Studie des Münchener Instituts für Rationelle Psychologie zufolge haben 39 Prozent der Männer ihren besten Freund während der Schulzeit kennengelernt. Das sagt tatsächlich viel über die Qualität einer Freundschaft aus.

Denn in der Kindheit, in der Pubertät und in der Adoleszenz teilen sie jene Abenteuer, die man nur einmal erlebt. Das schweißt zusammen. Genau das ermöglicht Männern, über Jahre nichts voneinander zu wissen und beim ersten Wiedersehen exakt da anzuknüpfen, wo das letzte Gespräch endete.

Vorbilder aus Literatur und Film

In der Zwischenzeit hat der Freund geheiratet und ist längst geschieden, hat man selbst die Welt bereist oder eine Traumkarriere hingelegt - beim Wiedersehen erblickt man in den Augen des anderen jedoch weder den Erfolgsmenschen noch den Gescheiterten, sondern den Kumpel von einst, gealtert, ja, aber im Grunde verdammt jung geblieben, eigentlich noch ein Kind.

Warum, fragen sich manche Frauen, gibt es keine Weiblichkeitsform von Kumpel?

Tatsächlich keimen Männerfreundschaften in der Kindheit und Jugend und blühen mit dem Sprießen der ersten Barthaare auf.

Ob Winnetou und Old Shatterhand oder Tom Sawyer und Huckleberry Finn, ob Asterix und Obelix oder R2-D2 und C-3PO, ob Schweinsteiger und Podolski oder Narziss und Goldmund - Jungen orientieren sich an männlichen Vorbildern, an echten Männerfreunden, die miteinander gefährliche Abenteuer bestehen, die die Welt retten, die das Leben ergründen oder einfach nur Spaß haben.

Was aber finden Männer aneinander, wenn sie miteinander Zeit verbringen? Besagter Studie nach stehen gemeinsame Unternehmungen weit vorn. 54 Prozent der Befragten gaben an, miteinander in die Kneipe, zum Sport oder ins Kino zu gehen.

24 Prozent der Männerfreunde treffen sich, um zu reden - über die Arbeit, ihre Karriere oder Politik. 19 Prozent wollen mit ihrem besten Freund über die eigenen Freuden oder Probleme sprechen. Wenn überhaupt, liegt hier das Geheimnis.

Freundschaft bis zur Organspende

Männerfreundschaften zahlen sich langfristig aus, auch das. Sie sind ein Garant für den sozialen Aufstieg, Erfolg und eine reiche Nachkommenschaft.

Das haben Verhaltensforscher der Uni Göttingen und des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in einer Langzeitstudie an thailändischen Makaken nachgewiesen.

Jene Männchen, die sich innerhalb der Gruppe eng miteinander verbündeten, stiegen in der Hierarchie gemeinsam auf, Einzelgänger hingegen blieben auf der Strecke. Dass Erfolg sexy macht, gilt dabei für alle Primaten - Alpha-Tierchen erfreuen sich der meisten Weibchen und Babys.

"Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt ..." Was Heinz Rühmann einst als Tankwart besang, gilt für viele Männer ohne Abstriche.

Untereinander dürfen sie sein, wie sie sind, müssen sich nicht verstellen, denn nicht das, was der eine hat oder der andere zu sein meint, zählt, sondern die Freundschaft an sich.

Die Fassade, die man anderswo aufrecht erhält, ist so überflüssig wie das Sortiment an Ausreden, mit dem man das eigene Versagen kaschiert - der Lügner entlarvt sich selbst, sein Freund kennt ihn besser.

Wahre Freunde scheuen sich daher auch nicht, einander die Meinung zu sagen, auch oder gerade wenn sie schmerzt. Männerfreundschaften sind wichtig, mitunter überlebenswichtig: Jeder dritte Mann würde seinem besten Freund sogar ein Organ spenden.

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