Ärzte Zeitung, 24.08.2012

Der Standpunkt

Gesunde Psyche - Basis für Erfolg der Fußball-Profis

Der Freitod des schwer depressiven Robert Enke hat kein Umdenken im deutschen Profifußball bewirkt. Nach wie vor sind psychische Leiden ein Tabu und eine psychologische Betreuung selten, findet Thorsten Schaff. Dabei entscheidet der Kopf über die Leistung des Spielers.

Gesunde Psyche - Basis für Erfolg der Fußball-Profis

Der Autor ist Online-Redakteur im Newsroom der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: thorsten.schaff@springer.com

18- bis 29-jährige Menschen sind hierzulande am stärksten gefährdet, an Depressionen zu erkranken. Nach der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" ist fast jeder Zehnte in dieser Altersgruppe betroffen, beim Burn-out sind es 2 von 100.

Der Großteil der Profifußballer fällt genau in diese Altersgruppe. Statistisch gesehen müsste also jeder zehnte Bundesliga- und Zweitliga-Spieler mit Depressionen zu kämpfen haben.

Wie viele es wirklich sind, werden wir auch heute, wenn die neue Bundesliga-Saison angepfiffen wird, nicht erfahren. Nur von drei aktiven Profis - Martin Amedick, Martin Fenin und Markus Miller - weiß man, dass sie psychisch erkrankt sind oder waren.

Doch haben wir einen Anspruch auf dieses Wissen? Nein, das Patientengeheimnis gilt auch im Leistungssport. Offenbar scheuen sich viele Betroffene nicht nur, sich öffentlich zu ihrer Erkrankung zu bekennen, sondern sie tun dies nicht einmal gegenüber ihrem Verein.

Dabei sollten gerade psychische Leiden im Fußball kein Tabu mehr sein. Nach dem tragischen Freitod des schwer depressiven Nationaltorwarts Robert Enke im November 2009 hatte der deutsche Profifußball ein Umdenken angekündigt, und die Vereine einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen versprochen. Doch genau das ist nicht gelungen.

Unverständlich ist: Die Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga geben Unsummen für die medizinische Versorgung ihrer Stars aus, damit körperliche Schäden verhindert und Verletzungen so schnell wie möglich behoben werden - doch bei der psychologischen Betreuung wird geknausert.

In der Regel haben die Bundesliga-Vereine einen Stab von 10 bis 15 Trainern, Mannschaftsärzten, Physiotherapeuten und Betreuern allein für ihren Profibereich. Aber ein Spezialist für die mentale und psychologische Betreuung ist nur in den allerseltensten Fällen darunter: Lediglich zwei der 36 Klubs des Ligaverbands geben in unserer Umfrage an, einen Sportpsychologen zu beschäftigen.

Dabei ist es doch gerade der Kopf, der die Bewegungsabläufe des Körpers steuert und über die Leistung eines Spielers entscheidet. Die psychische Gesundheit ist die Basis für Erfolg - auch des Vereins. Das müssen die Klubverantwortlichen wohl erst noch lernen.

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Der Standpunkt: Gesunde Psyche - Basis für Erfolg der Fußball-Profis

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[24.08.2012, 15:41:34]
Dr. Horst Grünwoldt 
Mentale Stärke
Höchstleistungen im Sport -wie in allen Lebenssituationen- sind natürlich stets gekoppelt an psychische Fitness.
Ob einzelne Athleten als hochgewettete Siegertypen im Falle der Niederlage auch einen Psycho-Therapeuten brauchen, sei dahingestellt.
In allen Sportarten steht der Trainer dem Leistungssportler in jeder Hinsicht am nächsten.
Deshalb sollte er -zumeist als sachkundiger Exsportler- am ehesten in der Lage sein, seinen Schützling nicht nur körperlich-technisch zu beraten, sondern auch das "Nervenkostüm" des Athleten aufgrund der jeweils vorliegenden Situation richtig einzuschätzen und erforderlichenfalls psychologisch zu stärken.
Damit dürfte in vielen Wettkampf-Stress-Situationen der zusätzlich belastende Außen-Einfluß durch einen Dritten dem Sportler erspart werden.
Daß eventuell auch einem erfahrenen Betreuer eine psychologische Basis- Beratung gut tun kann, die er dann neben seiner Lebenserfahrung am Athleten "anwendet", wird hiermit nicht bestritten.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock  zum Beitrag »

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