Ärzte Zeitung online, 30.10.2013

Neues Screeningverfahren

Spielhalle sucht Spielsucht

Spielhallenbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, Maßnahmen zum Schutz der Spieler zu treffen - bisher war das graue Theorie. Jetzt sollen Spielhallen-Mitarbeiter die Spielsucht selbst aufspüren.

Spielhallen-Mitarbeiter sollen Spielsucht aufspüren

Spieldauer und Einsatzvolumen zählen zu den 18 Merkmalen, die auf Spielsucht hindeuten.

© PA / fotolia.com

HAMBURG. Suchtgefährdete Spieler an Geldautomaten können künftig mithilfe eines neuen Screeningverfahrens schnell erkannt werden.

Wissenschaftler aus Hamburg und Bremen haben das Verfahren mit insgesamt 18 Verhaltensmerkmalen, die auf ein problematisches Spielverhalten hinweisen, im Auftrag der Hamburger Gesundheitsbehörde entwickelt.

Das Personal in Spielhallen soll damit in die Lage versetzt werden, problematisches Spielverhalten verlässlich zu identifizieren. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) erwartet von dem Instrument einen Beitrag zur Suchtprävention.

Alltagstauglichkeit erprobt

Entwickelt haben das Screeningverfahren Professor Gerhard Meyer, Dr. Tobias Hayer (beide Universität Bremen) sowie Dr. Jens Kalke und Sven Buth (beide Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in Hamburg).

Zu den 18 Merkmalen zählen etwa Spieldauer und Einsatzvolumen, aber auch der allgemeine Umgang mit Geld oder generelles Auftreten. Die Alltagstauglichkeit wurde bereits in einem Pilottest erprobt.

Spielhallenbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, Maßnahmen zum Schutz der Spieler zu treffen. Bislang konnten sie dabei aber nicht auf wissenschaftlich überprüfte Früherkennungsinstrumente zurückgreifen. (di)

[31.10.2013, 13:28:50]
Dr. Horst Grünwoldt 
Spielsucht-Prävention
Die Geld-Spielsucht - egal ob in Automaten-"Spielhallen", Casinos oder beim "Booki" (Pferdewetten-Salon) ist entweder aus der Not oder Gier geboren. In jedem Fall wird versucht, Frustrationen irgendwelcher Art durch einen schnellen Geldgewinn zu kompensieren; und dadurch im kurzen Moment auch "Glücks"-Gefühl zu empfinden. Ähnlich dem beim Drogenkonsum.

Solche "Spieler" sind i.d.R. Einzelpersonen, die eigentlich wissen müßten, daß sie gegen räuberische (Geld-)Maschinen oder das "Glücks"-Rad ziemlich unterlegen kämpfen.
Die Pferdewette fordert -im Gegensatz zum nicht steuerbaren Automaten oder Casinobetrieb- sogar noch eigene Überlegungen und Entscheidungen, wenn nicht, wie im Roulette-Spiel oder Zahlenlotto, auf blanke Ziffern gesetzt wird. Insofern ist sie eingeschränkt weniger Glücksspiel.
Die Franzosen behaupten sogar, daß "un pari- c´est pas un jeux d´hasard"
(eine Pferdewette ist kein Glücksspiel).
Für mich ist die durch Bremer und hamburgische Wissenschaftler vorgeschlagene Spielsucht-Prävention durch die Spielhallen-Betreiber und deren Angestellte deshalb so absurd, weil niemand seinen Geschäfts- Umsatz selbst limitieren wird!
Da es sich bei festgestellter Spielsucht tatsächlich um eine psychische Krankheit handelt, müßte doch eigentlich auch das Gesundheitsamt im öffentlichen Raum tätig werden. Zum Beispiel in Person von Psychologen oder psychologisch geschulten Gesundheits-Aufsehern.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock  zum Beitrag »

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