Ärzte Zeitung App, 16.10.2014

NAKOS

Seit 30 Jahren für die Selbsthilfe

NAKOS, die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, hat noch viele ehrgeizige Ziele. Dieses Jahr feiert sie ihr 30-jähriges Jubiläum.

BERLIN. Die Selbsthilfe ist aus dem deutschen Gesundheitswesen inzwischen nicht mehr wegzudenken. Doch das war nicht immer so.

Maßgeblichen Anteil an der gestiegenen Bedeutung von Selbsthilfeorganisationen hat die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS).

Unter dem Motto "Selbsthilfefähigkeiten stärken, Selbstorganisation unterstützen" - gemeinschaftliche Selbsthilfe ermöglichen" feiert sie in diesem Jahr ihr 30jähriges Jubiläum.

Kontaktstellen an 343 Orten

Als NAKOS 1984 gegründet wurde, gab es bundesweit 39 Einrichtungen zur Unterstützung von Selbsthilfe. Heute unterstützen Kontaktstellen an 343 Orten die Arbeit von Selbsthilfegruppen.

Für sie ist NAKOS eine wichtige Ansprechpartnerin. Rund 15.000 schriftliche, telefonische und mündliche Anfragen bearbeitet das Team pro Jahr.

Zudem pflegt NAKOS eine Adress-Datenbank mit rund 13.000 Einträgen aus dem Feld der Selbsthilfe. Auch eine umfassende Literatur-Datenbank unterstützt Forschung und Praxis auf dem Gebiet der Selbsthilfe. Ihre eigenen Publikationen ergänzen dieses Spektrum.

Ein richtiger Renner wurde die 1985 erstmals herausgegebene "Starthilfe zum Aufbau von Selbsthilfegruppen". Sie ist mittlerweile in acht Auflagen mit weit über 200.000 Exemplaren erschienen.

Gleich dreimal ist NAKOS im Internet präsent. Das Portal www.nakos.de informiert neben Grundlagen und Erfahrungen der Selbsthilfe auch über aktuelle Veranstaltungen. Mehr als 100.000 Besucher jährlich rufen die Seiten auf.

Das öffentliche Forum www.selbsthilfe-interaktiv.de verzeichnet 1200 registrierte Nutzer. Sie erhalten Hinweise auf vertrauenswürdige Selbsthilfeforen und Möglichkeiten zum Austausch über Fragen rund um gemeinschaftliche Selbsthilfe.

Seit 2011 besteht zudem das Portal www.schon-mal-an-selbsthilfegruppengedacht.de. Es will mit einem Quiz und Informationen zu 600 spezifischen Selbsthilfegruppen speziell junge Menschen ansprechen.

Zu diesem Zweck hat NAKOS im Jubiläumsjahr auch einen eigenen Comic-Film entwickelt.

Junge Patienten im Fokus

Als bundeszentrale Facheinrichtung der Selbsthilfeunterstützung wirkt die NAKOS darauf hin, bei der Selbsthilfe und der professionellen Selbsthilfeunterstützung ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass es spezieller, zielgruppengerechter Informationen und Ansprachestrategien für jüngere Menschen bedarf.

Zwar ist gemeinschaftliche Selbsthilfe in Gruppen verbreitet und anerkannt, doch nutzen vergleichsweise wenige junge Menschen den Weg der gemeinschaftlichen Selbsthilfe als Strategie für die Bewältigung ihrer Probleme oder Erkrankungen.

Der bei Selbsthilfekontaktstellen bisher übliche "Komm-Ansatz" reiche nicht aus, um die jüngere Generation zu erreichen, so die NAKOS. Als Einrichtung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG) ist die NAKOS zudem politisch aktiv.

Ihren Einfluss als eine der vier maßgeblichen Spitzenorganisationen der Selbsthilfe hat sie unter anderem bei der Schaffung der verpflichtenden gesetzlichen Förderung der Selbsthilfe durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und beim Patientenrechtegesetz geltend gemacht.

Finanziert wird die NAKOS aus Projektmitteln des Bundesgesundheitsministeriums und durch die GKV.

In Deutschland engagieren sich rund 3,5 Millionen Menschen in 70.000 bis etwa 100.000 Selbsthilfegruppen.

Ausgangspunkt des Engagements ist immer ein gemeinsames Anliegen. Bei gut zwei Drittel der Selbsthilfegruppen stehen Erkrankungen oder auch Behinderungen im Zentrum.

Bei anderen Gruppen sind es hingegen soziale Fragen oder Probleme, zum Beispiel in den Bereichen Familie, Alter, Nachbarschaft, Migration oder auch im Kontext von Lebensführung und - krisen.

Das Themenspektrum reicht fdabei von Allergie bis Zeckenbiss, Alleinerziehend bis Zwillingselternschaft, Arbeitslosigkeit bis Zölibat. (ami/eb)

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