Ärzte Zeitung, 06.04.2016

Schwerbehinderung

Inklusion als Motor

Peter Beisenherz war als KFZ-Meister mit Schwerbehinderung jahrelang auf Jobsuche. Die Inklusion war für ihn eine Chance.

Von Gesa Coordes

Inklusion als Motor

Peter Beisenherz an seinem Arbeitsplatz bei der Abgasuntersuchung. In der KFZ-Werkstatt fühlt er sich wohl.

© Rolf K. Wegst

BAD WILDUNGEN. Für KFZ-Meister Fritz Faupel ist Peter Beisenherz der "ruhende Pol" des Autohauses: Immer freundlich zu den Kunden, managt er Abgasuntersuchungen, TÜV und sucht nach der Ursache für blinkende Kontrollleuchten. Davon, wie verzweifelt er als älterer Schwerbehinderter nach einem Job suchte, ist heute nichts mehr zu sehen.

Morgens um 8 Uhr, wenn die Crew des Autohauses in Bad Wildungen ankommt, ist Peter Beisenherz schon eine halbe Stunde da. "Diagnoseplatz" steht groß über dem Tisch des 55-Jährigen in der Werkstatt.

Die Diagnose ist seine wichtigste Aufgabe: Wenn die Kunden mit aufleuchtenden Auto-Kontrolllampen um Rat fragen, sucht er nach dem Grund für die Warnung. "Elektronische Fehlerauslese" heißt das heutzutage.

"Da kann ich richtig drin aufgehen", erzählt Beisenherz lachend. Zu seiner Arbeit gehören auch die zahlreichen Abgasuntersuchungen. Und natürlich hilft er auch bei Lichtwochen und Reifenwechseln - nur bei den großen Reifen packen die Lehrlinge an. Dafür profitieren die Auszubildenden von seinem Wissen bei älteren Modellen.

Seit September 2014 arbeitet Beisenherz in dem Familienbetrieb mit neun Mitarbeitern. Davor hatte der KFZ-Meister nach einer längeren Selbstständigkeit, mehreren Jobwechseln und schließlich achtjähriger Arbeitslosigkeit die Hoffnung auf einen Job schon fast aufgegeben.

2011 erlitt er einen Herzinfarkt: "Da hat die Pumpe gesagt, dass es nicht mehr geht", sagt Beisenherz. Mehrere Bypässe mussten gelegt werden. Komplikationen machten gleich drei Operationen nötig. Schwere Reifen oder gar Motorblöcke kann er seitdem nicht mehr heben. Zudem leidet er an Diabetes, muss regelmäßig Insulin spritzen und hat Durchblutungsstörungen in Händen und Füßen.

 Mit einem Behinderungsgrad von mehr als 50 Prozent hatte er beruflich seitdem keine Chance mehr. "Die lange Arbeitslosigkeit hat mir richtig zugesetzt", sagt Beisenherz: "Ich hatte das Gefühl, zu nichts mehr nutze zu sein."

Den Tipp, sich für ein Programm beim Integrationsfachdienst anzumelden, bekam er von einer Bekannten. Schon einen Tag später meldete er sich bei Diplom-Sozialarbeiterin Josefine Rohe, die sich im Auftrag des Landeswohlfahrtsverbands Hessen (LWV) um die älteren Schwerbehinderten im Kreis Waldeck-Frankenberg kümmert.

Für die Initiative Inklusion versucht sie, neuen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Und sie wusste, dass Faupel einen neuen Mitarbeiter suchte, der auch in der Diagnostik fit ist.

Vier Wochen später ging Beisenherz zum Probearbeiten nach Bad Wildungen-Wega. Dass er sein Handwerk versteht, merkte sein neuer Chef sofort. "Er passt gut zu uns", urteilt Fritz Faupel. "Das war das absolute Hochgefühl", sagt Beisenherz.

Nach den Jahren der Arbeitslosigkeit gab es jedoch neue Entwicklungen bei der Autotechnik. Beisenherz brauchte eine Schulung, um mit den neuen Diagnosegeräten klarzukommen, sowie einen Lehrgang für die Abgas-Untersuchungen. Das finanzierte das LWV-Integrationsamt, ebenso wie ein teures Diagnosegerät.

Heute sagt Autohaus-Chef Faupel: "Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt." Sicherlich müsse sein neuer Mitarbeiter öfter zum Arzt als die jungen Lehrlinge. Und doch: "Peter ist eine Entlastung für uns", sagt er - und ermutigt andere KFZ-Betriebe, sich ebenfalls an dem Programm zu beteiligen.

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