„ÄrzteTag“-Podcast
Wie werden Sie mit der neuen Versorgungspauschale umgehen, Frau Dr. Dalhaus?
Endlich weg vom Quartalsdenken? Wie die neue Versorgungspauschale ab Juli im Praxisalltag funktionieren könnte – oder auch nicht –, erläutert Allgemeinmedizinerin Laura Dalhaus im „ÄrzteTag“-Podcast.
Veröffentlicht:Sie soll ab Juli dazu beitragen, Hausarztpraxen von unnötigen Patientenkontakten zu entlasten: die neue Versorgungspauschale, die vor kurzem vom Bewertungsausschuss beschlossen worden ist. Doch erfüllt die neue Gebührenordnungsposition (GOP) 03100 (je nach Patientenalter 356 oder 403 Punkte, 45,36 oder 51,34 Euro) für Patientinnen und Patienten, die nur an einer chronischen Erkrankung leiden, diese Anforderung? Zumal nur vier Indikationen dafür infrage kommen: Schilddrüsenerkrankungen, Fettstoffwechselstörungen, benigne Hypertonie und Gicht?
Dr. Laura Dalhaus, Hausärztin in Borken/Westfalen, hegt daran große Zweifel. „Das ganze Konzept ist so kompliziert, dass ich mich zuerst geweigert habe, mich damit zu befassen, bevor es nicht hochgradig virulent wird“, sagt Dalhaus im „ÄrzteTag“-Podcast. Die Pauschale gelte letztlich nur für „unfassbar wenige Patientinnen und Patienten“, stellt die Ärztin fest, die unter anderem bekannt ist aus vielfältigen Social-Media-Aktivitäten und auch berufspolitisch engagiert ist.
Einordnung aus der Praxis
Herausforderung der neuen Chronikerpauschale: Relevante Patienten routiniert zu identifizieren
Letztlich scheitert die intendierte Entlastung der Praxen schon allein daran, dass die Kriterien so eng gezogen seien. Es gebe durchaus viele Diabetiker, Hypertonie-Patienten oder auch Patienten mit Lungenerkrankungen – auch solche, die mehr als ein Medikament nehmen oder die mehrere chronische Erkrankungen haben –, die so gut eingestellt seien, dass sie nicht jedes Quartal in die Praxis kommen müssten. Aber diese Patientinnen und Patienten kämen aufgrund der Kriterien nicht für die neuen Pauschalen infrage.
Im Podcast spricht Dalhaus über den Zusammenhang der neuen Versorgungspauschale mit den Disease-Management-Programmen, über das immer weiter verfeinerte Kontrollsystem im EBM, das den Ärztinnen und Ärzten, das Leben schwermacht, und über den Umgang mit Ausnahmen von der Ausnahme bei der Medikamentengabe und wie sie über Suchläufe die richtigen Patientinnen und Patienten identifiziert.
Thema ist auch die Abrechnungstechnik mit den neuen Gebührenordnungspositionen: Welche Ziffern durch die Versorgungspauschale ersetzt werden, wie mit der neuen GOP 03110 bei Behandlung im Folgequartal umzugehen ist und wie viele Patienten überhaupt für diese GOP 03110 infrage kommen. Nicht zuletzt geht es auch darum, welche Folgen die neuen Pauschalen für die Vorhaltepauschale haben, die ja ebenfalls gerade erst erneuert worden ist. Nicht zuletzt geht es darum, wie die Hausärztinnen und Hausärzte letztlich auf das neue Ziffernpaket reagieren könnten, um die neu installierte Bürokratie zu umgehen. (Länge: 41:39 Minuten)











