Positionspapier

„Nicht nur am Rand“: Warum Pflege in der Primärversorgung ein Wort mitreden will

Die Primärversorgung ist das zentrale Reformvorhaben der Koalition für die ambulante Versorgung. In einem Positionspapier macht der Pflegerat deutlich, dass die Profession in dem System mehr sein will als nur Assistenz.

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Fachkraft im Heim unterstützt einen pflegebedürftigen Senior.

Tragende Rolle in der Primärversorgung: Pflegeverbände positionieren sich zur geplanten Reform der Koalition. (Symbolbild)

© Dean Mitchell / Getty Images / i

Berlin. Das geplante Primärversorgungssystem darf laut Deutschem Pflegerat (DPR) nicht allein auf Hausarztpraxen als Anlaufstellen für die Patienten aufsetzen. Auch die Pflege müsse als „eigenständige Profession konsequent eingebunden sein“, sagt die Präsidentin des Pflegerats, Christine Vogler. Eine Reform, die Pflegekompetenz lediglich „am Rand“ behandele, greife zu kurz.

In einem Positionspapier hebt der Pflegerat hervor, dass Primärversorgung in Skandinavien oder Ländern wie Großbritannien und Kanada, „wesentlich“ von Advanced Practice Nurses (APN) und Community Health Nurses (CHN) getragen werde. Es handele sich um Beschäftigte mit hoher pflegefachlicher Expertise und erweiterten, eigenständigen Kompetenzen.

APN, CHN: Mehr als delegationsgebundene Berufe

Blieben Potenziale dieser Berufszweige ungenutzt, schwäche das die Gesundheitsversorgung von Menschen aller Altersgruppen und verursache Folgekosten für das Gesundheitssystem, heißt es in dem Papier weiter.

Advanced Practice Nurses und Community Health Nurses dürften nicht mit „delegationsgebundenen Assistenzberufen“ gleichgesetzt werden, so der Pflegerat. Ein Wesensmerkmal sei vielmehr die eigenverantwortliche Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten in der Primärversorgung und die Sicherung von Versorgungskontinuität.

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Der Gesetzesrahmen für Übertragung und eigenverantwortliche Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten durch Pflegefachpersonen sei inzwischen auch in Deutschland deutlich weiterentwickelt worden, schreibt der Pflegerat. Es habe gar einen „Paradigmenwechsel“ von der reinen Delegation hin zu einer funktionalen Substitution gegeben. Das dürfe bei der geplanten Einführung eines Primärversorgungssystems nicht außer gelassen werden.

Advanced Practice Nurses zählen Experten zufolge zu den am besten ausgebildeten Pflegekräften. Ihre Berufserfahrung fußt auf einem praktischen Pflegestudium. Geboren wurde das Berufsbild in den USA und kommt dort vor allem im klinischen Alltag vor. Hierzulande steckt es noch in den Kinderschuhen. In den USA etwa stellen APN selbstständig Diagnosen, überweisen Patienten oder verschreiben diesen Medikamente.

„Paradigmenwechsel“ hin zur Substitution

Community Health Nurses wiederum übernehmen in der ambulanten Versorgung Kontrolluntersuchungen, beaufsichtigen Screenings auf Krebserkrankungen und andere Vorsorgeuntersuchungen. Zudem fungieren sie als Ansprechpartner bei chronischen Erkrankungen und im Rahmen strukturierter Behandlungsprogramme (DMP).

Laut einer Vorhabenplanung von Januar will das Bundesgesundheitsministerium noch im ersten Halbjahr 2026 einen Referentenentwurf für ein Pflege- und Gesundheitsexperten-Einführungsgesetz vorlegen. Darin soll das Berufsbild der APN auf Masterniveau geregelt werden. Berufsangehörige sollen erweiterte Befugnisse im Sozialrecht erhalten, damit sie Aufgaben übernehmen können, die bisher Ärzten vorbehalten sind.

Vertreter der Ärzteschaft betonen, dass es sich bei der geplanten Primärversorgung um ein primärärztliches System handeln müsse. Der Vizechef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Stephan Hofmeister, hatte bei der vergangenen Vertreterversammlung erklärt: „Noch gilt in Deutschland die Prämisse, dass Bürgerinnen und Bürger sich mit einer Erkrankung direkt an ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt wenden können.“ Wenn die Politik das ändern wolle, müsse sie es den Wählern klar sagen. (hom)

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