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Wegen NS-Vergangenheit

Kieler Uni entzieht Arzt Ehrensenator-Würde

Der Senat zieht Konsequenzen aus der Rolle des Internisten Alfred Schittenhelm während der NS-Zeit.

Veröffentlicht:

KIEL. Die Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) hat dem umstrittenen Internisten Professor Alfred Schittenhelm wegen seiner NS-Vergangenheit die Würde des Ehrensenators entzogen.

Die einstimmig gefällte Entscheidung durch den Akademischen Senat fiel aufgrund neuer Untersuchungen von Historikern über Schittenhelms Rolle im Nationalsozialismus.

Sein persönliches und politisches Wirken in der Zeit vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Kiel und München sei unvereinbar mit den Prinzipien, für die die Kieler Universität stehe, sagte die Senatsvorsitzende Professor Silke Göttsch-Elten.

Schittenhelms Verstrickungen in die NS-Diktatur sind von mehreren Wissenschaftlern untersucht und inzwischen belegt worden. Für die Kieler Uni, auf deren Gelände die Stadt auch eine Straße nach ihm benannt hat, gehört Schittenhelm "zu den politisch am stärksten belasteten deutschen Internisten überhaupt".

1933 hatte er die Absetzung des gewählten Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Leopold Lichtwitz, wegen dessen jüdischem Hintergrund betrieben und vom erzwungenen Rücktritt profitiert.

Schittenhelm übernahm selbst den DGIM-Vorsitz und erleichterte den Nationalsozialisten die Gleichschaltung, indem er bei den Machthabern Handlungsanweisungen einholte. "Seine gesellschaftsinterne Politik war antisemitisch und völkisch", heißt es in einer Begründung der CAU.

In Kiel sorgte Schittenhelm dafür, dass die Nationalsozialisten an der Medizinischen Fakultät ihre Vorstellungen ohne großen Widerstand durchsetzen und ihren Einfluss ausbauen konnten.

Später wurde Schittenhelm SS-Brigadeführer und erhielt Auszeichnungen wie etwa den Totenkopfring. 1945 entließ ihn die Militärregierung aus dem Hochschuldienst. 1947 wurde ein Prozess gegen ihn eingestellt, 1949 wurde er als ordentlicher Professor wieder eingestellt, zwei Jahre später zum Ehrensenator ernannt. (di)

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