Ärzte Zeitung online, 30.09.2016

Uniklinik Bochum

Nach Brand wird über Personalmangel spekuliert

Der Brand in der Bochumer Uniklinik Bergmannsheil ruft die Landespolitik auf den Plan – mit einem Plädoyer für mehr Pflegepersonal.

Von Anne-Christin Gröger

Nach Brand wird über Personalmangel spekuliert

Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen am Donnerstag einen Brand an der Bochumer Uniklinik Bergmannsheil. Bei dem Großbrand sind nach Angaben der Feuerwehr zwei Menschen ums Leben gekommen.

© Marcel Kusch/dpa

BOCHUM. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist an der Uniklinik Bergmannsheil Bochum ein Großbrand ausgebrochen. Dabei starben zwei Menschen, 15 wurden verletzt, davon sieben schwer.

Das Feuer ist, so der Stand zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe, in einem der Patientenzimmer im 6. Stock ausgebrochen. Hier befindet sich die chirurgisch-septische Abteilung. Von dort aus breitete es sich auf die beiden darüber liegenden Etagen aus und zerstörte den Dachstuhl des Gebäudes völlig.

Was die Ursache des Brandes war, ist bislang noch nicht geklärt. Zwar war das Feuer am Freitag unter Kontrolle, allerdings kamen die Einsatzkräfte aufgrund der großen Hitze noch nicht in die Räumlichkeiten, um einen möglichen Auslöser zu untersuchen. Die Klinik besteht aus mehreren Gebäuden.

Die vom Brand nicht betroffenen Häuser seien handlungsfähig. "Die Notfallversorgung ist nicht eingeschränkt", betonte der Ärztliche Direktor Professor Thomas Schildhauer. Wichtige Bereiche wie Operationssäle und Intensivstationen seien nicht betroffen.

Ministerielles Lob für Klinikärzte

Die Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal der Uniklinik Bergmannsheil haben für ihren Einsatz im Bettenhaus 1 viel Lob erhalten. "Es ist gelungen, 128 teilweise schwerkranke Patientinnen und Patienten zu retten, das ist wirklich großartig", sagte Nordrhein-Westfalens Forschungsministerin Svenja Schulze der "Rheinischen-Post".

Das Klinikpersonal hatte bereits kurz nach Ausbruch des Brandes begonnen, Patienten aus der 6. Etage zu evakuieren und teilweise auf Matratzen über das Treppenhaus nach unten getragen. Ein Todesopfer war nach Angaben von Schildhauer in dem Zimmer gefunden worden, in dem der Brand ausgebrochen war. Das andere Opfer hatte im Nebenzimmer gelegen.

Viel Lob und Zuspruch erfuhren ärztliches und pflegerisches Personal auch über den Kurznachrichtendienst Twitter. Dazu kam aber auch Kritik an der nächtlichen Situation in Krankenhäusern. "Wenn man weiß, wie wenig Personal nachts im Dienst ist, haben Pflegekräfte und Ärzte über Grenzen Großartiges geleistet", schreibt ein Nutzer.

Und eine vermutlich auch in der Pflege tätige Nutzerin fügt hinzu: "Dann stehst du da. Nachts allein mit mehr als 30 teils immobilen Patienten. Und es brennt. Mehr Albtraum geht nicht." Die verletzten Patienten konnten entweder hausintern versorgt werden oder wurden mit Hubschraubern in Spezialkliniken nach Aachen, Leipzig und Wiesbaden geflogen.

100 Patienten, deren Gesundheitszustand es erlaubte, wurden vorzeitig aus der Klinik entlassen. Die übrigen Geretteten kamen innerhalb des Krankenhauses unter, Transporte in andere Kliniken waren nicht nötig, versicherte die Uniklinik.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens traf am Freitagmittag gemeinsam mit Forschungsministerin Schulze in Bochum ein, um sich ein Bild von der Lage machen. "Wenn wir von der Polizei Informationen darüber haben, wie der Brand entstehen konnte, werden wir gemeinsam auswerten müssen, ob daraus Konsequenzen für die Personalsituation folgen müssen", so Steffens.

Bund bereits einbezogen

Allerdings sei mehr Pflegepersonal unabhängig von einem Brand extrem wichtig. "Deswegen haben wir von NRW-Seite uns auch auf Bundesebene dafür eingesetzt, dass wir ein Personalbemessungsinstrument und verbindliche Personalfestlegungen bekommen, und dass die Kostenträger das auch übernehmen."

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