Ärzte Zeitung online, 09.01.2019

Gerichtskosten

Rechtsschutz kann helfen

Um Verbraucher gegen hohe Kosten rechtlicher Auseinandersetzungen abzusichern, bieten sich Verkehrsrechtsschutzpolicen an. Die Stiftung Warentest hat sie unter die Lupe genommen.

Von Katrin Berkenkopf

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Gegen hohe Anwaltskosten wappnen Rechtsschutzpolicen – sie sind beliebt bei Autofahrern

© (c) Jakub Krechowicz/Fotolia

Josef Bennat musste vor Gericht ziehen. Er war auf der Autobahn zu dicht auf den Vordermann aufgefahren und dabei geblitzt worden. Das bestritt der 51-Jährige auch nicht, der anders heißt, aber seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Nur mit dem zusätzlich zum Bußgeld verhängten Fahrverbot wollte er sich nicht abfinden. Das hätte ihn seinen Job gekostet, Bennat musste mobil sein.

Seine Rechtsschutzversicherung sah gute Chancen und übernahm die Kosten des Einspruchs. Der Richter folgte seiner Argumentation und wandelte das Fahrverbot in eine saftige Geldstrafe um. Bennat war zufrieden, aus seiner Sicht hatte es sich gelohnt, jahrelang Beiträge für eine Rechtsschutzversicherung zu zahlen.

Mit Rechtsschutzversicherungen können sich Verbraucher gegen die drohenden Kosten rechtlicher Auseinandersetzungen und Gerichtsverfahren absichern. Beliebt ist der Verkehrsrechtschutz.

Es gibt die Police aber auch im Paket, das für mehrere Lebensbereiche Schutz bietet, zum Beispiel im Privatrecht, seit Kurzem auch bei privaten Internet-Streitigkeiten.

Schlichtungen im Trend

Vor gut zehn Jahren hat zudem die Mediation Einzug in die Rechtsschutzversicherung gehalten. Das ist der Versuch einer außergerichtlichen Lösung für einen Konflikt mittels eines professionellen Schlichters.

Durch die Einführung des Mediationsgesetzes 2012 hat sie noch einmal einen Schub bekommen. Bei den Versicherern ist Mediation vor allem beliebt, weil sie günstiger ist als der direkte Gang vor Gericht. Manche Gesellschaften machen es sogar zur Bedingung, dass zunächst eine Mediation stattfindet, bevor sie die Kosten für ein Rechtsverfahren übernehmen.

Ob der Abschluss einer Rechtsschutzpolice sinnvoll ist, darüber streiten selbst Verbraucherschützer: Zuerst sollten existenzielle Risiken abgesichert werden, etwa mit einer Privathaftpflicht- oder einer Berufsunfähigkeitsversicherung, meint der Bund der Versicherten.

Anders sieht es die Stiftung Warentest: Rechtsschutzversicherungen sind nötig, um ohne Sorge vor hohen Anwalts- und Gerichtskosten für sein Recht kämpfen zu können, sagen die Berliner.

Gerade hat die Stiftung Verkehrsrechtsschutzpolicen untersucht. Regelmäßig testen die Verbraucherschützer auch Rechtsschutzpakete. „Sehr gut in allen Modellfällen abgeschnitten haben ADAC, Advocard, Allianz, Allrecht/Deurag, LVM, WGV und wgv-himmelblau“, schreiben die Tester.

Allerdings: Preisvergleiche sind von großer Bedeutung. Beim letzten Test schwankten die Preise der 19 mit gut oder sehr gut bewerteten Tarifpakete zwischen 49 Euro (wgv-himmelblau) und 175 Euro (DAS/Ergo), jeweils bei 150 Euro Selbstbehalt.

Bei Problemen hilft Informieren

Außerdem ist die Stiftung Warentest bei ihren Untersuchungen auf ein Dilemma gestoßen, das für Verbraucher nicht leicht zu lösen ist: Mancher Anbieter guter Tarife wird von Anwälten, die mit ihm zu tun hatten, sehr negativ beurteilt.

Das liegt meist daran, dass es im Schadenfall bei der Regulierung Probleme gibt oder der Versicherer sich von vornherein weigert, eine Deckungszusage zu geben.

Für den Umgang mit diesem Widerspruch gebe es keine einfache Lösung, sagt Michael Sittig von der Stiftung Warentest. „Nach Papierlage sind diese Tarife gut.

Man bräuchte zusätzlich einen Test des Regulierungsverhaltens, aber das ist in der Praxis kaum möglich.“ Deshalb bleibe nur die Möglichkeit, die Verbraucher auf das Problem hinzuweisen.

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