Ärzte Zeitung, 14.09.2010

Mehr Gleichheit kann für mehr Gesundheit sorgen

Mehr Gleichheit kann für mehr Gesundheit sorgen

Richard Wilkinson und Kate Pickett: Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind. Tolkemitt Verlag bei Zweitausendeins. Berlin 2009. 335 Seiten. 19,90 Euro.

Unterschiede beim Einkommen können auch gesundheitliche Probleme in Gesellschaften erklären.

FRANKFURT/MAIN (Smi). Arme Menschen sind häufiger krank und sterben früher als Wohlhabende, das ist seit langem bekannt. Aber dass in Gesellschaften mit hoher sozialer Ungleichheit auch viele Bürger der Mittelschicht und sogar Reiche leiden, ist eine neue Erkenntnis, die uns ein kürzlich erschienenes Werk zweier Epidemiologen lehrt: "Gleichheit ist Glück".

Die britischen Autoren - der emeritierte Wirtschaftshistoriker Richard Wilkinson und die Epidemiologin Kate Pickett - tragen Forschungsergebnisse aus mehreren Jahrzehnten zusammen. Sie analysieren, wie sich die Einkommensunterschiede innerhalb einer Gesellschaft entwickeln und welche Probleme damit einhergehen.

Beispiel Ostdeutschland: In den 20 Jahren seit der Wiedervereinigung habe die Zahl der Adipösen in den neuen Bundesländern signifikant zugenommen, so die Autoren. Das sei jedoch nicht geschehen, weil es den Bürgern heute besser gehe, sondern weil sich die Ungleichverteilung der Einkommen in Ostdeutschland seit dem Mauerfall rapide verschärft habe: "Die einst charakteristische Physiognomie der Wohlhabenden ist heute Stigma der Armen."

Wenn in den westlichen Demokratien mehr Gleichheit herrschte, so das Fazit der britischen Autoren, könnten fast alle sozialen Probleme entschärft werden: Die Menschen seien gesünder und fitter, litten seltener an Überforderung und Depressionen, auch Phänomene wie Gewalt und Drogenmissbrauch gingen zurück.

Topics
Schlagworte
Buchtipp (285)
Panorama (32846)
Krankheiten
Depressionen (3296)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »