Ärzte Zeitung online, 08.10.2014
 

Bayerns Justizminister

Dopingbesitz soll bei jedem bestraft werden

Dem bayerischen Justizminister Bausback geht der Entwurf für ein Anti-Doping-Gesetz nicht weit genug. So fordert er, dass der Besitz von Dopingsubstanzen ab dem ersten Gramm für jedermann strafbar ist.

DÜSSELDORF. Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) hat den Regierungsentwurf für ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland kritisiert. "Ihm fehlen wichtige Bausteine, es bleiben empfindliche Lücken", sagte der CSU-Politiker.

Das größte Defizit sieht er bei der umstrittenen Besitzstrafbarkeit. "Der Besitz von Dopingmitteln ab dem ersten Gramm, also ohne Einschränkung auf eine nicht geringe Menge, soll nur bei den Spitzensportlern ein Fall für den Staatsanwalt werden", erklärte Bausback. "Das muss aber für jedermann gelten!"

Das sei gerade der Grundpfeiler der strafrechtlichen Bekämpfung von Doping. "Ohne sie können wir im Kampf gegen Doping nicht erfolgreich sein, nicht effektiv gegen den Schwarzmarkt, den organisierten Dopingmittelhandel insgesamt, vorgehen", argumentierte der Minister.

Außerdem fehle in dem Vorschlag des Bundes eine spezifische Kronzeugenregelung. "Das ist ein großes Manko", meinte er.

Zugleich hält Bausback den im Entwurf vorgesehenen Strafrahmen für Dopingvergehen von bis zu drei Jahren für nicht ausreichend und fordert Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. (dpa)

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[08.10.2014, 18:49:06]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Jura-Doping beim bayerischen Justizminister Prof. Winfried Bausback (CSU)?
Boxer beißen dem Gegner ein Stück von der Ohrmuschel ab, Fußballer bearbeiten eine gegnerische Schulter mit den Zähnen, beim Eishockey gehen sie mit Stöcken aufeinander los, American Football ist die Liga der Aggressionen schlechthin, Wettkämpfer und Sport-Ikonen töten ihre Frauen, Autorennfahrer suchen geradezu den Crash und Radrennfahrer verlassen blindlings die Rennstrecke, um kopfüber ins Gebüsch zu stürzen: Das alles ist möglicherweise unter dem Einfluss von diversen Doping-Mitteln, aber auch unter dem Einfluss von Aggressionstau, Sozialpathologie und körpereigenen Endorphinen möglich.

Und von Letzterem hat der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) offensichtlich auch zu viel. Voller juristischer Endorphine und durch "Jagdszenen aus Niederbayern" eingestimmt, ruft er zur ebenso verfassungsbedenklichen wie medizinbildungsfernen Hexenjagd auf:
• Schluss mit der Testosteronbehandlung bei AGS, Klinefelter, Hypogonadismus?
• Weg mit anabolen Steroiden bei Kachexie, Tumorkrankheiten?
• Schluss mit Clenbuterol bei therapieresistentem Asthma?
• Sperre von Codein-Tropfen gegen Husten?
• Kein Erythropoietin (EPO) bei renaler Anämie/Stammzelltransplantation/Dialyse?
• Schluss mit Antiandrogenen, Betablockern, Androgenen, Kortison?
• Weg mit Insulin, Growth Hormone (hGH), Insulin-like Growth Factors (IGF-1)?
• Generalverdacht bei Thiaziden, Chlorthalidon, Furosemid, Spironolactone, die zur Behandlung von Hypertonie, Herzinsuffizienz, Lungenstauung und Kalium-Verlust-Syndrom geeignet wären?

Nein, es geht nicht an, dass übereifrige bajuwarische Justiz-Schranzen nach Belieben jeden Arztkoffer durchschnüffeln und ggf. konfiszieren dürften: Nur weil ein medizinisch desorientierter Minister eine grundsätzlich umstrittene Besitzstrafbarkeit zelebrieren und im Rahmen seines wohl eher persönlich motivierten Anti-Doping-Kampfes kultivieren will. Für ärztlich begründete, in Klinik und Praxis therapeutisch eingesetzte Substanzen, die von Leistungssportlern und ihren Hintermännern absichtsvoll m i s s b r ä u c h l i c h verwendet werden, die Parole ausgeben zu wollen: "Das muss aber für jedermann gelten!" ist pseudopopulistisches Getöse und zeugt von wenig verfassungsjuristischem und staatsrechtlichem Sachverstand bzw. viel Medizin-Bildungsferne.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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[08.10.2014, 14:06:29]
Carsten Windt 
Was interessiert den Kranken oder den Nichtsportler ob ein Wirkstoff zum Doping geeignet ist
Wenn man die Forderung von Herrn Bausback zuende denkt, kommt es für Patienten mit Anämie, Asthma oder Hypogonadismus (nur so als Beispiel) recht hart. Denn entweder lassen sie sich mit Epo, eine Asthmamittel oder Testosteron behandeln und machen sich strafbar, oder sie werden nicht behandelt.

Hier wird wieder einmal das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Dopingmittel sind Medikamente, welche auch zweckentfremdet werden, das darf nicht automatisch zum allgemeinen Verbot führen. Dem Kranken ist es doch vollkommen egal, ob sich jemand damit auch einen Vorteil im Sport verschafft.
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