Ärzte Zeitung online, 23.11.2018

Flüchtlinge

Ärzte kritisieren Vorgehen libyscher Sicherheitskräfte

Ärzte ohne Grenzen beklagen, dass ihnen der Zugang zu Migranten in Libyen verwehrt wird.

Ärzte kritisieren Vorgehen libyscher Sicherheitskräfte

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kümmert sich schon seit längerem um Menschen in Libyen – hier in einem Flüchtlingslager.

© Ärzte ohne Grenzen

TRIPOLIS. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisiert, dass sie seit der Räumung eines Flüchtlingsbootes mit etwa 80 Migranten in Libyen den geflüchteten Menschen keine benötigte medizinische Hilfe mehr anbieten dürfen.

Zehn Tage lang hatte sich die Organisation um die verletzten Menschen an Bord gekümmert, die sich weigerten, das Containerschiff im Hafen von Misrata zu verlassen. Am Dienstag hätten libysche Sicherheitskräfte die rund 80 Migranten dann gewaltsam an Land gebracht, teilte Ärzte ohne Grenzen am Freitag mit. Seitdem werde den Medizinern der Zugang zu den Menschen verwehrt.

Die insgesamt 94 Flüchtlinge, darunter etliche Minderjährige, waren bereits Anfang November von dem Containerschiff „Nivin“ im Mittelmeer aus Seenot gerettet worden. Anschließend wurden sie in den Hafen der westlibyschen Stadt Misrata gebracht. Dort weigerten sich die Menschen, das Schiff zu verlassen.

In libyschen Flüchtlingslagern kommt es immer wieder zu Gewalt und Folter gegen Migranten. Einige der Migranten hatten zwischenzeitlich ihren Widerstand aufgegeben und waren freiwillig an Land gegangen.

Ärzte ohne Grenzen kritisiert, dass die Menschen nach Libyen zurückgebracht worden waren. Das Bürgerkriegsland sei kein sicherer Ort. Es sei ein Bruch des Völkerrechts, aus Seenot gerettete Menschen an internationalen Gewässern an die libysche Küste zurückzubringen.

Ärzte ohne Grenzen prangert in diesem Zusammenhang auch den jüngsten Zwischenfall in Catania/Italien an. Wegen angeblicher Fehler bei der Entsorgung von Bordabfällen haben die italienischen Justizbehörden beantragt, das von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betriebene Rettungsschiff Aquarius zu beschlagnahmen. (dpa)

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