Ärzte Zeitung, 13.10.2005

Von Fluvastatin profitieren Diabetiker besonders

Ausgeprägter Effekt auf dicht gepacktes Cholesterin

DRESDEN (gvg). Eine lipidsenkende Therapie mit Fluvastatin hat vor allem bei Diabetikern einen günstigen Effekt auf die kardiovaskuläre Ereignisrate. Ursache könnte die ausgeprägte Wirkung auf kleine, dichte LDL-Partikel sein.

Small density-LDL-Partikel (sd-LDL), in denen das LDL-Cholesterin sehr kompakt verpackt ist, seien wahrscheinlich jene LDL-Moleküle, die für das Gefäßsystem besonders problematisch sind. Das sagte Privatdozent Dr. Karl Winkler von der der Universität Freiburg auf der Herbsttagung der deutschen Kardiologen in Dresden.

Werde die LDL-Fraktion aufgegliedert, dann finde sich normalerweise eine relativ gleichmäßige Verteilung der verschiedenen LDL-Varianten. Nicht so bei Diabetikern: Hier dominierten bei 80 Prozent der Patienten die sd-LDL-Partikel. Es zeige sich ein für Diabetiker typisches sd-LDL-Profil, so Winkler auf der von den Unternehmen Novartis und Astellas unterstützten Veranstaltung.

Dies könne bei der Therapie wichtig sein, wie Winkler sagte. So gebe es eine kleine Untersuchung mit 70 Typ-2-Diabetikern, die entweder 80 Milligramm Fluvastatin oder Placebo erhielten. Gemessen wurden dann die unterschiedlichen LDL-Subtypen. Bei den kleinen, dichten Subtypen LDL 5 und LDL 6 lag der Wert in der Verumgruppe um 28 Prozent niedriger als in der Placebogruppe. Bei größeren Subtypen wie LDL 2 waren es jedoch nur 18 Prozent. "80 Milligramm Fluvastatin scheinen bei der LDL-Senkung im Bereich der kleinen, dichten Partikel besonders aktiv zu sein", so Winklers Folgerung aus dieser Untersuchung.

Das wiederum könnte erklären, warum Diabetiker in der LIPS-Studie (Locol Intervention Prevention Study) so überdurchschnittlich gut abschnitten. Bei der LIPS-Studie wurden 1677 Patienten mit Hypercholesterinämie nach einem ersten Herzinfarkt bis zu vier Jahre lang entweder mit Placebo oder mit 80 Milligramm Fluvastatin behandelt. Bei der der Therapie gab es im Vergleich zu Placebo 22 Prozent weniger schwere, kardiovaskuläre Ereignisse. In der Subgruppe der Diabetiker betrug der Vorteil bei den Patienten mit dem Statin jedoch 47 Prozent, was Winkler mit der besonderen Wirkung auf das sd-LDL erklärt. Die sogenannte "Number needed to treat" errechnet sich für die Diabetiker in dieser Studie auf sieben. Dies sei der beste Wert für ein Statin bei Diabetikern überhaupt, sagte Winkler.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »