Ärzte Zeitung, 27.03.2008

Ältere Frauen verwerten Nahrung anders als Männer

Nach einer Mahlzeit bauen ältere Frauen weniger Eiweiß in die Muskeln ein

NOTTINGHAM (ars). Frauen über 65 speichern nach dem Essen schlechter Eiweiß im Muskel als Männer. Um einem Muskelabbau entgegenzuwirken und damit Stürze zu verhindern, empfehlen die Forscher, die diesen Geschlechtsunterschied entdeckt haben, älteren Frauen Krafttraining und eine eiweißreiche Ernährung.

 Ältere Frauen verwerten Nahrung anders als Männer

Kraftsport hält bei älteren Frauen den Muskelschwund auf.

Foto:Klaro

Im Alter reagieren Männer und Frauen auf die Zufuhr von Nahrung unterschiedlich, berichten die Wissenschaftler aus dem britischen Nottingham gemeinsam mit US-Kollegen (PLoS One). Nach Zufuhr eines flüssigen Proteindrinks bildeten nur die Muskeln der männlichen Probanden vermehrt Eiweiß, nicht aber die der weiblichen. Ältere Männer verwerten also die Nahrung ganz anders als ältere Frauen.

Bei älteren Frauen besteht aber insofern ein gewisser Ausgleich, als bei ihnen die basale Proteinsynthese - nach der Absorption von Nährstoffen - im Vergleich zu Männern um 30 Prozent höher ist. Zwischen jüngeren Männer und Frauen gibt es solche Unterschiede nicht. Als Ursache vermuten die Forscher die sinkenden Spiegel des Hormons Östrogen mit den Wechseljahren.

Frauen starten nach ihren Angaben sowieso mit schlechteren Ausgangsbedingungen ins Alter als Männer, weil ihr Körper bereits in jungen und mittleren Jahren aus weniger Muskeln und mehr Fett besteht. Zudem bauen ältere Frauen beim Krafttraining im Fitnessstudio weniger Muskeln auf.

Allgemein verlieren Menschen ab einem Alter von 50 Jahren jährlich bis zu 0,4 Prozent ihrer Muskelmasse. Dadurch werden sie zunehmend unbeweglicher und anfälliger für Stürze und Knochenbrüche. Als Gegenmaßnahme raten die Wissenschaftler daher gerade älteren Frauen, reichlich Eier, Fisch, Hühnchen und mageres Fleisch zu essen und zusätzlich täglich Krafttraining zu betreiben.

Für ihre Studie haben sie 13 Männer und 16 Frauen im Alter zwischen 65 und 80 Jahren untersucht. Um die Protein- und RNA-Synthese sowie Signalwege sichtbar zu machen, injizierten sie ihnen radioaktiv markierte Aminosäuren und entnahmen Gewebebiopsien.

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