Ärzte Zeitung online, 15.01.2012

Experte: Stromausfall könnte Ursache für Schiffsunglück sein

LONDON (dpa). Ein Stromausfall könnte nach Meinung eines Experten Ursache des Unglücks auf dem Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" gewesen sein. Inzwischen hat sich die Zahl der Toten auf fünf erhöht.

Experte: Stromausfall könnte Ursache für Schiffsunglück sein

Nach der Havarie liegt das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" mit schwerer Schlagseite vor der toskanischen Küste nahe der italienischen Insel Giglio im Wasser.

© dpa

Ohne Strom könnte die Crew die Kontrolle über die Navigation des riesigen Schiffes verloren und es auf Felsen im Meer gesteuert haben, sagte der Schifffahrtsexperte Malcolm Latarche vom Magazin "IHS Fairplay Solutions" der britischen Nachrichtenagentur PA.

Passagiere hätten von einem Stromausfall berichtet, außerdem sei ein lauter Knall gehört worden. Es könnte zu einer Explosion im Maschinenraum gekommen sein, sagte Latarche.

Auf der "Costa Concordia" könnte es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen sein wie im September 2010 auf dem Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2", als dort kurz vor Barcelona die Lichter ausgingen. Eine Störung habe zu einer Fehlfunktion bei den Generatoren geführt, die die Motoren des Schiffes versorgten.

Sollte auf der "Costa Concordia" Ähnliches passiert sein, und die Sicherheitssysteme hätten versagt, sei es möglich, dass das Schiff nicht mehr zu steuern gewesen und vom Kurs abgekommen sei. "Das System muss neu gestartet werden. Die meisten dieser Systeme haben ein automatisches Back-up, aber es braucht Zeit, bis dieses angeht. Der Grund könnte aber auch ein ganz anderer sein."

Wahrscheinlich keine Deutschen mehr an Bord

An Bord der gekenterten "Costa Concordia" sind nach Angaben des Veranstalters Costa Kreuzfahrten wahrscheinlich keine Deutschen mehr. "Nach Lage der Dinge gehen wir nicht davon aus", sagte Sprecher Werner Claasen am 15. Januar der Nachrichtenagentur dpa.

Zwischen 40 und 50 der 560 deutschen Passagiere seien vermutlich noch in Italien. Zu sechs von ihnen habe das Unternehmen keinen Kontakt.

Die Rückreise organisiere Costa unter anderem zusammen mit dem Auswärtigen Amt. An welchen Flughäfen die Reisenden landen werden, wollte der Sprecher nicht sagen.

"Viele Leute haben keine Pässe mehr", sagte Claasen. Die Passagiere seien aus ganz Deutschland gekommen, es gebe keinen regionalen Schwerpunkt. Genaue Angaben zu der Herkunft der Reisende werde das Unternehmen nicht veröffentlichen.

Taucher fanden zwei Leichen im Schiff

Taucher haben zwei Leichen im havarierten Kreuzfahrtschiff gefunden. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag. Damit steigt die Zahl der Opfer des Schiffbruchs vor der toskanischen Küste auf fünf.

Staatsanwalt: Unglücksschiff war nur 150 Meter vom Ufer entfernt

Das havarierte Kreuzfahrtschiff war nur 150 Meter vom Ufer entfernt und der Insel Giglio "unglaublich nahe".

Das sagte der leitende Staatsanwalt von Grosseto, Francesco Verusio, am Sonntag nach ersten Analysen der Blackbox des Schiffes. Erst 58 Minuten, nachdem die "Costa Concordia" einen Felsen gerammt hatte, habe die Besatzung die Küstenwache alarmiert, sagte Verusio nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa. Das Schiff war dann nahe der Insel auf Grund gelaufen und in Schräglage geraten.

Bei den Ermittlungen prüft der Staatsanwalt auch, ob der Kapitän absichtlich so dicht an die Insel herangefahren ist, um die Insulaner einem Brauch folgend mit der Schiffssirene zu begrüßen. Die Blackbox speichert die Kommandos und die Kommunikation des Schiffes.

Topics
Schlagworte
Reise (2186)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »