Ärzte Zeitung online, 26.01.2017

Grenzenlos studieren

Machen Briten die Schotten dicht?

Für Millionen junge Menschen hat das europaweite Studieren über Grenzen einen Namen: Erasmus. Jetzt wird das 30-jährige Bestehen des EU-Projekts gefeiert. Der Jubel ist jedoch von Brexit-Sorgen getrübt.

BERLIN. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat das Erasmus-Förderprogramm für mehr europäische Mobilität in der Hochschul- und Berufsbildung als "Erfolgsgeschichte" gewürdigt.

"Wenn Europa Dinge vorzuweisen hat, die funktionieren, dann ist Erasmus eines davon", sagte die CDU-Politikerin in Berlin mit Blick auf das 30-jährige Bestehen des milliardenschweren EU-Projekts.

"Es ist beeindruckend, wenn man sich die Zahlen anschaut und sieht, was kürzere oder längere Auslandsaufenthalte für unsere jungen Menschen bewirken", betonte Wanka. Die Bundesregierung habe "deshalb dafür gesorgt, dass Erasmus+ aufgestockt und die berufliche Bildung verstärkt in das Programm einbezogen wurde. Deshalb können wir sehr optimistisch in die Zukunft schauen. Die vielen europäischen Staaten, die sich in Erasmus engagieren, werden das auch weiterhin tun."

Mit Blick auf den angekündigten EU-Ausstieg der Briten sagte die Ministerin: "Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern braucht ja auch Großbritannien – völlig unabhängig davon, ob das Land in der EU ist oder nicht. Denn Wissenschaft lebt vom Austausch."

Massive Verunsicherung

Wanka räumte ein, das Interesse der britischen Seite an Erasmus lasse "sich derzeit noch nicht abschätzen". Dies gelte es nun in Verhandlungen auszuloten, etwa über die bislang günstigen Bedingungen europäischer Erasmus-Studenten in Großbritannien (unter anderem ohne hohe Studiengebühren). "Dies ist ein Punkt, an dem ich jetzt nicht zu pessimistisch wäre – aber wir müssen uns gut vorbereiten, und wir tun das auch."

Der Name des 1987 begründeten Förderprojekts der Europäischen Union geht auf Erasmus von Rotterdam (1466-1536) zurück, einen Gelehrten der Renaissance-Zeit.

Nach bescheidenen Anfängen ist es inzwischen das weltweit größte Programm für Auslandsaufenthalte an Universitäten. Seit dem Gründungsjahr 1987 profitierten mehr als drei Millionen Studierende von dem Programm.

2014 wurden in Erasmus+ bisherige EU-Programme für lebenslanges Lernen, Jugend und Sport sowie Kooperationsprogramme im Hochschulbereich zusammengeführt. Das Budget liegt bei knapp 15 Milliarden Euro.

Wanka sagte der dpa zur Marschroute im Zusammenhang mit dem Brexit und zu möglichen Auswirkungen auf die Hochschulpolitik: "Es macht die anstehenden Verhandlungen nicht einfacher, wenn wir vorab in einzelnen Politikfeldern Wünsche und Szenarien ausbreiten."

Großes Interesse an Kooperation

Deutschland habe zu Großbritannien in Forschung, Bildung und Wissenschaft intensive bilaterale Beziehungen, die nicht mit einer EU-Mitgliedschaft zusammenhängen. "Auch die britische Seite hat großes Interesse, dass das weiter funktioniert." (dpa)

Topics
Schlagworte
Schule (706)
Personen
Johanna Wanka (108)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »