Ärzte Zeitung online, 02.02.2018

Bertelsmann Stiftung

Grundschullehrer dringend gesucht – Das könnten Lösungen sein

Lehrermangel gibt es bereits jetzt an vielen Grundschulen in Deutschland. Für die nächsten sieben Jahre allerdings prognostiziert die Bertelsmann Stiftung einen dramatischen Anstieg. Experten werfen Politikern schwere Versäumnisse vor – und geben ihnen drei Vorschläge mit.

Lehrer dringend gesucht

Aufmerksame Grundschüler. Ihre Zahl wird in den nächsten Jahren steigen – und es bahnt sich ein dramatischer Lehrermangel an.

© Frank Leonhardt / dpa

Der Lehrermangel an den Grundschulen in Deutschland spitzt sich nach einer Studie in den nächsten Jahren dramatisch zu. Nach aktuellen Zahlen der Bertelsmann-Stiftung fehlen bis ins Jahr 2025 rund 35 000 Lehrer für die ersten Schuljahre. Der Grund dafür: Nach Berechnungen der Stiftung müssten bis 2025 knapp 105 000 neue Lehrer eingestellt werden, die Universitäten können bis dahin aber nur 70 000 Absolventen ausbilden.

In ihrer Rechnung gehen die Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn von 60 000 Pädagogen aus, die in den Ruhestand gehen und ersetzt werden müssten. Weitere 26 000 neue Lehrer seien nötig, um die bis dahin steigenden Schülerzahlen aufzufangen.

Für den Ausbau von Ganztagsschulen würden außerdem 19 000 Lehrer benötig. Nach Zahlen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind aktuell bundesweit rund 2000 Lehrerstellen an Grundschulen nicht besetzt.

Abwerben ist keine Lösung

"Gute Schule ist guter Unterricht und der wird durch gute Lehrer gemacht. Angesichts des bundesweiten Lehrermangels sollten sich die Länder die Lehrer nicht länger gegenseitig abwerben", forderte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. "Die Verantwortlichen sollten gemeinsame Lösungen suchen, um den Bedarf zu decken – und zwar ohne die Qualität einreißen zu lassen."

In der Zeit nach 2025 entspannt sich die Lage wegen der demografischen Entwicklung der Bevölkerung bei den Schülerzahlen wieder. Die Bertelsmann-Stiftung sieht drei Möglichkeiten, den vorübergehend höheren Bedarf besser abzudecken.

Die Forscher schlagen vor, den weiblichen Pädagogen, von denen 40 Prozent in Teilzeitarbeit arbeiten, Anreize zum Aufstocken zu bieten. Auch könnten Grundschullehrer, die kurz vor der Pensionierung stehen, wieder mehr unterrichten.

Plädoyer für Quereinsteiger

Als dritte Möglichkeit schlagen die Autoren vor, Quereinsteiger ohne Grundschulstudium einzusetzen. "Flexible Zugangswege zum Lehrerberuf und pädagogische Qualität dürfen nicht im Widerspruch stehen. Wir brauchen einheitliche Standards für die Qualifizierung von Seiteneinsteigern. Dazu gehört auch genügend Zeit für berufsbegleitendes Lernen und für das Mentoring durch erfahrene Kollegen", so Dräger.

"Bei dem jetzt prognostizierten Lehrermangel für die kommenden Jahre müssen wir schnellstmöglich über Maßnahmen diskutieren, die aber generell Notlösungen sein werden", sagte Susanne Miller im Gespräch mit der dpa. Die Professorin lehrt und forscht zum Schwerpunkt Grundschulpädagogik an der Universität Bielefeld. (dpa)

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