Ärzte Zeitung, 10.08.2009

Kommentar

DMP - und der Deus ex Machina

Von Helmut Laschet

Reformen im deutschen Gesundheitswesen durchzusetzen, ist mühselig und teuer. Groß ist das Beharrungsvermögen, bedeutungsschwer sind die Vorbehalte gegen Neuerungen. "Kochbuch- oder Listenmedizin" - das waren die Schlagworte, mit denen gewichtige Ärzteorganisationen gegen Disease-Management-Programme kämpften.

Es bleibt leider eine Tatsache: Die Verbesserung der Versorgung chronisch Kranker - eine stärkere Orientierung der Therapie an wissenschaftlichen Leitlinien, eine bessere Organisation der Behandlungsketten und die Förderung von Patientenautonomie - bedurften eines kräftigen Anstoßes von außen: durch politische Willensbildung, durch den Gesetzgeber, quasi als Deus ex Machina.

Die nun vorliegenden Evaluationsergebnisse zeigen (wenn auch nicht auf höchstem Evidenzniveau), dass die Anstrengung gerechtfertigt war. Ärzte haben offenbar viel dazu gelernt, Patienten sind im Umgang etwa mit Diabetes durch DMP besser informiert und autonomer geworden. Die Kehrseite der Medaille: Kassen brauchten dafür Extra-Geld aus dem Risikostrukturausgleich, die Ärzte Extra-Honorar. Das - und nicht die Verbesserung von Therapie und Organisation - erklärt die DMP-Bürokratie.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Ärzte verbessern Therapie und Organisation - wie DMP schlussendlich Patienten nützen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »