Ärzte Zeitung, 09.09.2009

Mehr Lebensqualität für Thüringens Schüler

Hektik, Leistungsdruck, Aggression - der Alltag vieler deutscher Schulen ist bestimmt von wachsenden Widersprüchen und Herausforderungen. In Thüringen wird jetzt eine Studie gestartet mit dem Ziel, die Lebensqualität von Schülern und Lehrern zu verbessern.

Mehr Lebensqualität für Thüringens Schüler

Lernen, gesund zu leben - eine herausfordernde Aufgabe.

Foto: imago

Von Katlen Trautmann

ERFURT. Wie beeinflussen Lebens- und Schulumfeld junger Menschen ihre Gesundheit und ihr Gesundheitsverhalten? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines kürzlich gestarteten Forschungsprojektes in Thüringen.

"Ziel des Projekts sind der Erhalt und die Verbesserung der Gesundheit von Lehrern und Schülern. Die Erkenntnisse sollen eine wissenschaftliche Grundlage für das weitere Handeln geben", erläutert der noch amtierende Kultusminister Thüringens Bernward Müller. Den Beteiligten geht es darum, Instrumentarien zur Analyse und Planung von Gesundheitsförderung in Thüringer Schulen zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen später auch Schulen in anderen Bundesländern zur Verfügung gestellt werden.

Das Thüringer Kultusministerium und die AOK Plus unterstützen das Projekt mit 30 000 Euro und 35 000 Euro, die Technische Universität Dresden (TU) leistet die wissenschaftliche Arbeit.

2000 Schüler sollen befragt werden

Bis Februar 2010 werden rund 2000 Schüler zwischen elf und 16 Jahren befragt. Beleuchten will man verschiedene Aspekte - etwa den Gesundheitszustand der Jugendlichen, ihre Lebenszufriedenheit und -qualität, ihr psychisches Wohlbefinden, das Klima in Schule und Unterricht - wobei auch das Thema Mobbing nicht ausgespart wird.

Darüber hinaus geht es um körperliche Aktivität, das Ess- und Freizeitverhalten sowie die soziale Unterstützung durch Familie und Freundeskreis. Die Schulleiter sollen ebenfalls interviewt werden. Der von der TU Dresden entwickelte Fragebogen basiert auf der so genannten "Health Behaviour in School-aged Children" (HBSC)-Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die HBSC-Studie wird weltweit in über 40 Staaten alle vier Jahre - das nächste Mal 2010 - wiederholt.

Für jede Schule ein spezielles Profil

Bis Oktober 2010 wird für jede befragte Schule ein Profil erstellt und Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge entwickelt. "Wichtig ist dabei aus unserer Sicht, nicht Einzelbausteine des Gesundheitsverhaltens bei Schülern und Lehrern zu ändern, sondern den Organismus ‚Schule‘ als ganzes zu betrachten. In einigen Schulen werden AOK-Experten diesen Veränderungsprozess aktiv begleiten", sagt Frank Vieweg, Bereichsleiter Gesundheitsförderung der AOK Plus.

Die Thüringer Schulen bieten aus Sicht der Initiatoren bereits gute Voraussetzungen für das Projekt. So hat jede Schule eine für ihre Verhältnisse und ihre speziellen Bedingungen angepasste umfassende Konzeption erarbeitet. Das Ziel: Schüler sollen möglichst gesund leben und dabei fit bleiben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »