Ärzte Zeitung, 24.06.2010

Behandlungsfehler: Zu viel Geduld kann auch ein Fehler sein

Schlichtungsstellen tragen zu mehr Patientensicherheit bei. Behandlungsfehler passieren trotzdem - auch bei Hausärzten geht manches schief. Sie warteten zu lange mit der Überweisung zum Facharzt, lautet eine Kritik.

Von Sunna Gieseke

Zu viel Geduld kann auch ein Fehler sein

Schlichtungsstellen helfen nach Ansicht der Bundesärztekammer den Patienten, ihr Recht einzufordern.

© imago

BERLIN. Bereits zum dritten Mal hat die Bundesärztekammer ihre Statistik zu ärztlichen Behandlungsfehlern in Deutschland vorgelegt. Demnach passiert ein Großteil der Fehler immer noch in der Unfallchirurgie und der Orthopädie. Aber auch in der hausärztlichen Praxis gibt es Schwachstellen. Patienten kritisierten vor allem, dass Hausärzte häufig zu lange mit einer Überweisung an Fachärzte warten und zu lange an ihrer ersten Diagnose festhalten würden, berichtete Johann Neu, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern.

Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommission und Schlichtungsstellen in Berlin, hob die gestiegende Bedeutung der Schlichtungsstellen beim Thema der Patientensicherheit hervor. Schließlich trügen sie zur Vermeidung von Fehlern bei.

Die seit 1975 bei den Ärztekammern eingerichteten Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für Arzthaftungsstreitigkeiten bieten eine Begutachtung durch unabhängige Experten und außergerichtliche Streitschlichtungen bei Vorwürfen eines Behandlungsfehlers an. Ein Patient kann durch ein effizientes und gebührenfreies Verfahren überprüfen lassen, ob sein Vorwurf gerechtfertigt ist. Und dennoch geschehen Behandlungsfehler: "Wir werden niemals bei der Anzahl der Fehler auf Null kommen - aber das ist unser Ziel", betonte Professor Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin. Besonders bei der Arzneimittelsicherheit habe die Ärzteschaft schon einige Erfolge in der Fehlervermeidung durch eine farbliche Kodierung der Arzneimittel erzielt. So sei die Dosierung der Medikamente für den Arzt besser erkennbar. Darüber hinaus sei auch der Einsatz neuester Informationstechnik hilfreich. Daher sei die Anzahl der Fehler in der Pharmakotherapie inzwischen auf einem der hinteren Ränge bei den Fehlerarten, so Schaffartzik. Insgesamt sei die Anzahl der Fehler im Gegensatz zum Vorjahr relativ konstant geblieben

Vor allem die Diagnostik der bildgebenden Verfahren und die Anamnese gehörten 2009 zu den häufigsten Fehlerarten. Die häufigsten Diagnosegruppen, bei denen Behandlungsfehler festgesellt wurden, waren neben Brustkrebs auch Gelenkkrankheiten.

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