Ärzte Zeitung, 19.10.2010

Risikomanagement sollte zur Ausbildung gehören

59 Prozent der deutschen Kliniken haben ein Risikomanagement. Das ist gut, aber nicht gut genug.

Von Ilse Schlingensiepen

BONN. Das Risikomanagement muss Bestandteil der ärztlichen Ausbildung werden, fordert die Staatssekretärin im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium Marlis Bredehorst. "Das würde zu einer verbesserten Kultur des Fehlermanagements beitragen", sagte Bredehorst anlässlich des gemeinsamen Kongresses "Patientensicherheit im Fokus der Versorgungsforschung" des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) und des Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung in Bonn.

"Im Gesundheitswesen wird die Tatsache, dass Fehler passieren, immer noch zu häufig ignoriert", beklagte Bredehorst. Die aktuelle Untersuchung des Instituts für Patientensicherheit der Universität Bonn, nach der 59 Prozent der Krankenhäuser eine feste Risikomanagement-Strategie verfolgen, zeige zwar eine positive Entwicklung. Das sei aber noch zu wenig. "Wir brauchen die flächendeckende Implementierung von Risikomanagement-Systemen", forderte Bredehorst.

Seit der Veröffentlichung der Broschüre "Aus Fehlern lernen", in der prominente Mediziner über eigene Fehler berichteten, habe es in Deutschland einen "kompletten Klimawechsel" zu diesem Thema gegeben, sagte dagegen Dr. Günther Jonitz, Präsident der Berliner Ärztekammer und APS-Vorsitzender. "Für die Änderung in der Sicherheitskultur werden wir inzwischen international beneidet."

Ein Ziel des APS sei es, praktische Lösungen für konkrete Probleme anzubieten, etwa gegen die Verwechslung von Patienten oder Medikationsfehler. "Da sind wir schon relativ weit, aber noch nicht weit genug", sagte Jonitz.

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Erfolg des Risikomanagements auch von der Kooperation zwischen den Berufsgruppen abhängt, sagte Professor Holger Pfaff, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung. "Wo die offene Kommunikation herrscht, funktioniert das klinische Risikomanagement besser." Leider gebe es in vielen Häusern aber nach wie vor eine Misstrauenskultur, so Pfaff.

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