Ärzte Zeitung, 24.08.2011

Pläne gegen Ärztemangel für Thüringer kalter Kaffee

Die Techniker Kasse zeigt sich überzeugt: In Thüringen verpuffen wesentliche Elemente des geplanten Versorgungsgesetzes.

Von Robert Büssow

ERFURT. Mehrere Maßnahmen, mit denen ab dem kommenden Jahr bundesweit Landärzte gewonnen werden sollen, sind in Thüringen längst bekannt, sagt Guido Dressel, Landeschef der Techniker Krankenkasse.

Zum Beispiel das Konzept Eigeneinrichtung: Schon vor mehr als fünf Jahren habe die Kassenärztliche Vereinigung (KVT) in Thüringen begonnen, selbst Praxen einzurichten und Ärzte im Angestelltenverhältnis zu beschäftigen.

"Die Eigeneinrichtung ist eine originär Thüringer Erfindung, die sich als geeignetes Instrument bewährt hat für Gegenden, in die kein Arzt sonst will", sagt Dressel. In der Regel entscheiden sich die angestellten Ärzte schon nach kurzer Zeit, die Eigeneinrichtung zu übernehmen. Dies beweise, dass dieses Anreizmodell funktioniere.

Keine Abstaffelung für Hausärzte

Das Versorgungsgesetz läuft auch an einer anderen zentralen Stelle offene Türen ein, sagt Dressel: In Thüringen werden nicht nur Landärzte in tendenziell unterversorgten Gebieten voll honoriert, die Abstaffelung ist bereits für alle Hausärzte annulliert.

Nachdem 2009 in der KVT erstmals Überschüsse in Millionenhöhe anfielen, wurde die Vergütung der Hausärzte auf 100 Prozent hochgezogen. Dabei sei der Versorgungsgrad noch in keiner Planungsregion kritisch, im schlechtesten Fall liegt er derzeit bei 83 Prozent.

Nur für Fachärzte ist die Abstaffelung nicht in vollem Umfang aufgehoben. Die dritte Neuerung im Versorgungsgesetz, die in Thüringen gängige Praxis ist: Die Landesregierung darf bereits seit Jahren einen Vertreter in die Beratungen der Landesausschüsse von Ärzten und Krankenkassen entsenden.

Einheitliche Kodierung ist nötig

"Anderswo noch ein Sakrileg, hier Usus", sagt Dressel. "Drei zentrale Elemente der regionalen Gestaltungsmöglichkeit sind in Thüringen schon lange gegeben", stellt der TK-Landeschef klar.

Der Grund dafür sei, dass Ostdeutschland und gerade Thüringen, das Erhebungen zufolge eine Bevölkerung mit der höchsten Morbidität hat, den Ärztemangel schon früher als andere Länder zu spüren bekommen hat. Der Handlungsdruck sei Grund für den Vorsprung.

Dressel begrüßt das Versorgungsgesetz mit Ausnahmen. Kritisch sieht der Kassenvertreter beispielsweise den Verzicht auf einheitliche ambulante Kodierrichtlinien: "Wenn in den Ländern unterschiedlich kodiert wird, muss man damit rechnen, dass die selben Krankheiten unterschiedlich interpretiert werden und ein Vergleich von Morbidität nicht mehr möglich ist."

Topics
Schlagworte
Politik & Gesellschaft (75383)
Organisationen
TK (2310)
Personen
Robert Büssow (117)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »