Ärzte Zeitung, 15.11.2011

Schmerztherapeut sorgt sich um MVZ-Zukunft

Nichtärztliche Leistungserbringer sollen nach dem Versorgungsstrukturgesetz bei MVZ-Neugründungen außen vor sein. Das stößt bei Schmerztherapeuten auf Widerspruch.

Von Jürgen Stoschek

ULM. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sollen nach dem Versorgungsstrukturgesetz künftig nur noch von Vertragsärzten, Krankenhäusern und in Ausnahmefällen von gemeinnützigen Trägerorganisationen gegründet werden können.

Nichtärztliche Leistungserbringer wie Apotheker, Zahnärzte, Psychotherapeuten oder Krankenpflegedienste "sind dann draußen", erklärte Professor Ute Walter, Fachanwältin für Medizinrecht in München, bei einer Fachtagung des Bundesverbandes Managed Care (BMC) in Ulm zur Regionalisierung der Gesundheitsversorgung.

Künftig MVZ wie das Algesiologikum nicht mehr möglich

Ein MVZ wie das Algesiologikum, in dem chronische Schmerzpatienten versorgt werden und das vor drei Jahren in München entstanden ist, könnte dann in seiner jetzigen Form nicht mehr gegründet werden, verdeutlichte der Geschäftsführer der Einrichtung, der Anästhesist Dr. Reinhard Thoma.

Moderne Schmerztherapie sei heute multimodal, interdisziplinär und multiprofessionell, erläuterte Thoma. In der ambulanten Versorgung müssten solche Versorgungsprozesse organisiert werden, und das gehe am besten in einem MVZ.

Nach dem Versorgungsstrukturgesetz sei das künftig aber nicht mehr möglich, denn "mein Partner ist psychologischer Psychotherapeut", sagte Thoma.

"Wir arbeiten mit Manpower"

Im Algesiologikum werden nach Angaben von Thoma vor allem Patienten mit Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Nervenschmerzen und Kopfschmerzen behandelt, deren Leiden sich wegen "erfolgloser Einzeltherapien in einer sektoral getrennten Versorgung" im Laufe der Zeit chronifiziert haben.

"Wir arbeiten nicht mit CT-gesteuerten Blockadetechniken, sondern mit Manpower", erklärte Thoma.

Im Vordergrund stehe dabei die Versorgung und die leitliniengerechte interdisziplinäre Behandlung durch Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten, Pflegekräfte und darüber hinaus durch Sozialpädagogen.

65 Mitarbeiter betreuen 600 Patienten

Die 65 Mitarbeiter, davon 20 Ärzte und 15 Psychotherapeuten, versorgten pro Jahr etwa 600 Schmerzpatienten ambulant.

Seit kurzem gehöre auch ein Case-Manager für die berufliche Re-Integration von Schmerzpatienten zum Team. "Seitdem ist die Back-to-work Rate deutlich gestiegen", sagte Thoma.

Interdisziplinäres Schmerzzentrum für stationäre Behandlung chronischer Schmerzpatienten

Zusammen mit dem Diakoniewerk München-Maxvorstadt betreibt die Algesiologikum GmbH außerdem ein interdisziplinäres Schmerzzentrum für die stationäre Behandlung chronischer Schmerzpatienten.

Für die sektorenübergreifende Versorgung würden die Möglichkeiten, die das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz bietet, in vollem Umfang genutzt, erklärte Thoma.

Außerdem bestehen Kooperationsvereinbarungen und ein Vertrag zur Integrierten Versorgung mit dem Krankenhaus für Naturheilweisen München-Harlaching und dem Krankenhaus Vilsbiburg.

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