Ärzte Zeitung, 18.11.2011

Parlamentarier untersuchen Tod der Bremer Frühchen

BREMEN (cben). Die Bremer Bürgerschaft hat am 18. November in einer Sondersitzung einstimmig einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Tod von drei Frühchen im Bremer Klinikum Mitte eingesetzt.

Parlamentarier untersuchen Tod der Bremer Frühchen

Jetzt beschäftigt sich ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit dem Tod der Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte.

© Ingo Wagner / dpa

Die zwölf Mitglieder sollen die näheren Umstände der tragischen Todesfälle beleuchten. Die Stellungnahmen der Politiker zeigen: Es sind im Ausschuss grundsätzliche Auseinandersetzungen zu erwarten.

Matthias Güldner von den Grünen, dem kleinen Koalitionspartner der SPD, erklärte: "Wir sind offen dafür, alle Aspekte, die auf den Tisch kommen, zu besprechen."

Güldner kritisierte indessen die Linke und die CDU-Fraktion in der Bürgerschaft. Es sei nicht hilfreich, wenn entweder sofort nach den politisch Verantwortlichen gefragt wird oder sofort die wirtschaftliche Situation des Klinikums für die Todesfälle verantwortlich gemacht würden. Man wisse eben noch nicht, wer verantwortlich sei, hieß es.

Thomas Röwekamp (CDU) hatte in Richtung Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) erklärt: "Wir haben für ihr Krisenmanagement kein Verständnis!"

Röwekamp spielte damit auf den Umstand an, dass die Bremer Staatsanwaltschaft erst aus dem Radio vom Tod der Frühchen erfahren hat. Jürgens-Pieper hätte sofort selber die Staatsanwaltschaft informieren müssen, so Röwekamp, das Verhalten der Senatorin sei "unzumutbar."

Peter Erlanson von den Linken kritisierte in seiner Rede den Personalschlüssel in der Neonatologie des Klinikums. Je nach Schicht seien drei oder vier Schwestern für zehn Frühchen zuständig, das bedeute 2,5 beziehungsweise 3,3 Kinder pro Pflegekraft.

Er zitierte den Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Dr. Klaus-Dieter Zastrow. Er hatte pro Pflegekraft zwei Frühchen empfohlen und der Klinikleitung Organisationsversagen vorgeworfen. "An dieser Stelle muss man ganz genau hingucken", sagte Erlanson, "das ist unser Ansatz als Linke."

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