Ärzte Zeitung, 23.04.2012

Der Arzt von morgen ist ein Teamplayer

Die soziale Kompetenz ärztlichen Nachwuchses wird besser. Nachholbedarf besteht aber in der Vernetzungsfähigkeit mit nichtmedizinischen Disziplinen.

Von Anne-Christin Gröger

KÖLN. Die Ausbildung der Ärzte in Deutschland muss dringend modernen Erfordernissen angepasst werden. Das ist das Fazit einer Studie, die das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen im Auftrag der Initiative Gesundheitswirtschaft Berlin erstellt hat.

Eines der Ergebnisse: Die Mediziner der Zukunft müssen sich verstärkt in der berufsübergreifenden Zusammenarbeit engagieren, um mehr Qualität in der medizinischen Versorgung zu erreichen.

Das kann eine verstärkte Kooperation mit Experten aus Industrie und Service sein, aber auch eine engere Zusammenarbeit des ambulanten und stationären Bereichs. "Dafür gibt es besonderen Qualifizierungsbedarf", sagt Dr. Josef Hilbert, Direktor des IAT.

Während die Schulung sozialer Kompetenzen im Umgang mit Patienten und Angehörigen schon häufig Teil der Medizinerausbildung ist, gibt es bei der Schulung der ökonomischen Fähigkeiten noch Nachholbedarf, sagt Hilbert.

"Gerade bei Niederlassungen haben angehende Ärzte wenig Ahnung", sagt er. "Dabei geht es einerseits darum, eine Praxis wirtschaftlich erfolgreich führen zu können, andererseits auch um die eigene soziale Absicherung und die Personalführung."

Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer

Diese Aspekte müssten Ärzte künftig stärker im Blick haben. Der Trend gehe vom hochkompetenten Einzelkämpfer zum interprofessionellen Teamplayer, der gut mit Leistungserbringern und Kostenträgern, aber auch mit seinen Mitarbeitern gut umgehen könne.

Da die meisten Universitäten entsprechende Schulungsangebote nicht im Lehrplan vorhalten, nutzen viele Mediziner bereits Angebote der privaten Fachhochschulen, bei denen Praxisorganisation und -führung gelehrt werden.

"Diese Angebote werden bereits gut nachgefragt", weiß Hilbert. Es sei aber sinnvoll, so die IAT-Experten, die Anforderungen in der einen oder anderen Weise direkt in der Medizinerausbildung unterzubringen.

Für die Studie haben die Wissenschaftler vom IAT 35 Experten aus der universitären medizinischen Forschung und Lehre, Vertreter nicht-medizinischer Gesundheitsberufe und andere Praktiker interviewt und Thesen formuliert.

In einem Werkstattgespräch haben 20 Akteure aus dem Gesundheitswesen diese Thesen diskutiert. Die Ergebnisse sind in der Studie zusammengefasst.

Lohmann, Heinz/Debatin, Jörg (Hrsg.): Neue Ärzte braucht das Land? Innovationsbaustelle Ärzteausbildung Deutschland. Empirische Studie "Zukunftsfähige Qualifikations- und Kompetenzprofile für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Medhochzwei, Heidelberg ISBN 978-3-86216-092-1 Preis: 34,95 Euro

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