Ärzte Zeitung, 18.10.2016
 

Entlassmanagement

Kliniken warnen vor Bürokratiemonster

Umsetzung erst Mitte 2017 ? / Chefärzte wollen Registrierung bei den KVen nicht mittragen

Die Einführung eines Entlassmanagements durch die Krankenhäuser könnte noch eine Weile dauern, kündigt die DKG an.

Von Anno Fricke

BERLIN. Zwischen Vertragsärzten und ihren Kollegen in Kliniken bahnt sich neuer Streit an. Am Wochenende haben Vertreter der Krankenhäuser scharfe Kritik an der geplanten Umsetzung des Entlassmanagements geübt. Für die dafür erforderlichen Eingriffe der Kliniker in die vertragsärztliche Versorgung sollen einem aktuellen Beschluss zufolge rund 50.000 Klinikärzte bei den Kassenärztlichen Vereinigungen registriert werden.

Das bedeute, ein bürokratisches Monster zu erschaffen und die Einführung bis Juli 2017 zu verzögern, warnte die Deutsche Krankenhausgesellschaft in einer Pressemitteilung von Samstag. Tags zuvor soll demnach das erweiterte Bundesschiedsamt mit der Mehrheit der Vertragsärzte und der Kassen die Beschlüsse dafür gefasst haben.

"Das sehen wir kritisch", meldeten sich auch die Chefärzte zu Wort. Eine Zwangsregistrierung bei den KVen habe erhebliche versorgungsrechtliche Konsequenzen, die wir so nicht mittragen können, sagte der Präsident des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte (VLK) Professor Hans-Fred Weiser am Rande des VLK-Bundeskongresses am Samstag in Berlin der "Ärzte Zeitung". Ein Entlassmanagement sei nicht an die Registrierung jedes einzelnen Klinikarztes bei den KVen gebunden.

Hintergrund des Konflikts sei die Sorge der Vertragsärzte, dass sich die Klinikärzte aus den Töpfen der Vertragsärzte bedienen könnten. Weiser plädierte für ein sektorenübergreifendes Finanzierungssystem. Das sei auch Voraussetzung für eine Reform der Notfallversorgung. "Wenn Portalpraxen funktionsfähig und sinnhaft sein sollen, dann sollten sie an Krankenhäusern angesiedelt sein", sagte Weiser. Dann dürfe es aber nicht zwei getrennte Finanzierungstöpfe geben, "und jeder hat Angst, dass der andere sich dort etwas herausnimmt".

Der Bundeskongress arbeitete in mehreren Vorträgen ethische Aspekte der Qualitätsoffensive der Bundesregierung im Gesundheitswesen heraus. Es gehe der Bundesregierung nicht wirklich um Qualitätsverbesserungen, war in der Debatte ein häufig geäußerter Vorwurf. Mindestmengen für mehr Indikationen als heute und strenge Personalvorgaben würden herangezogen, um strukturelle Veränderungen, sprich Schließung von Krankenhäusern und Abteilungen, herbeizuführen. Ob so die richtigen Versorger vom Netz gingen, sei fraglich.

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