Ärzte Zeitung online, 07.03.2017

Jugendsexualität

Erfolgsstory Aufklärung

Positive Botschaften beim Jugendmedizinkongress: Die Selbstverantwortung junger Paare wächst, Aufklärung ist kein Tabu mehr.

Von Raimund Schmid

zur Galerie klicken

Schuletui mit Kondomen: Sexuelle Aktivitäten haben sich im Vergleich von vor 30 Jahren vorverlagert.

© Ulrich Baumgarten/dpa

WEIMAR. Aufklärung, Informationskampagnen und eine erhöhte Selbstverantwortung haben dazu beigetragen, das Fragen rund um die Jugendsexualität heute bei jungen Menschen einen höheren Stellenwert haben als noch vor zehn Jahren.

Das ist das Ergebnis des 8. Berichts zur Jugendsexualität, den Dr. Heidrun Theiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), beim Kongress für Jugendmedizin in Weimar vorgestellt hat.

Nach der Auswertung von Daten von über 6000 jungen Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren hat es insbesondere bei Fragen der Verhütung deutliche Fortschritte gegeben. 90 Prozent der jungen Menschen sprechen heute mit ihrem Partner über Verhütung, so viele wie niemals zuvor.

Während im Jahr 1980 noch bei 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen Verhütungsmaßnahmen tabu waren, ist das 35 Jahre später nur noch bei sechs Prozent der Jungen und acht Prozent der Mädchen der Fall. Für BZgA-Leiterin Thaiss ist dies "ein hervorragendes Ergebnis".

Verhütungsberatung im Elternhaus

Die Verhütungsberatung im Elternhaus spielt heute bei 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen eine besonders wichtige Rolle. Das deutlich gestiegene Bewusstsein für Verhütungsmaßnahmen hat auch dazu geführt, dass sich die Zahl der Teenagerschwangerschaften seit 2004 – da waren es 15.000 – halbiert hat, wie Thaiss berichtete.

Wichtiger denn je seien gute Informationen auch deshalb, weil sich die sexuellen Aktivitäten vorverlagert haben. Hatten 1980 noch 47 Prozent der 17-jährigen jungen Frauen und nur zwei Prozent der 14-jährigen Mädchen zum ersten Mal Geschlechtsverkehr, ist das heute bei zwei Dritteln der 17-Jährigen und bereits bei fünf Prozent der 14-Jährigen der Fall.

Die Jungen sind im Vergleich zu den Mädchen im geringeren Maße und zu einem späteren Zeitpunkt sexuell aktiv. Bei den 14-Jährigen sind es drei Prozent, bei den 17-Jährigen 58 Prozent und bei den 21-Jährigen 90 Prozent.

Thema ist kein Selbstläufer

Ausbleibende sexuelle Aktivitäten werden von den Jugendlichen damit begründet, dass bisher noch nicht der richtige Partner gefunden wurde. Besonders zurückhaltend sind dabei Mädchen mit Migrationshintergrund.

Nur 42 Prozent der Mädchen mit Migrationshintergrund haben im Alter von 18 Jahren das "erste Mal" bereits erlebt, halb so viele wie Mädchen mit deutscher Herkunft. Nach Darstellung von Thaiss liegt dies daran, dass insbesondere bei türkischen Mädchen erlebte Sexualität häufig eine Eheschließung voraussetzt.

Eine sichere Verhütung sei in Zukunft kein Selbstläufer, weil das Thema in jeder Generation neu aufgerollt werden müsse. Angesichts des Vertrauens zum Jugendarzt nehme die Zahl der Jugendlichen zu, die "Informationen zum Thema Sexualität von ihrem Arzt wünschen", sagte Dr. Uwe Büsching, Leiter des Jugendmedizinkongresses.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Die Gründe: Übermäßiger Einsatz von Antibiotika und Mängel bei der Infektionskontrolle. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »