Ärzte Zeitung online, 05.05.2017

Flüchtlingsversorgung

"Med-Punkte" werden evaluiert

Das Land Berlin lässt die Wirtschaftlichkeit der sogenannten Med-Punkte in Flüchtlingsunterkünften untersuchen.

BERLIN. Anfang April wurde ein neuer Med-Punkt in einer Großunterkunft in Betrieb genommen. Damit existieren in Berlin zwölf solcher Stützpunkte, welche die hausärztliche und pädiatrische Gesundheitsversorgung der Bewohner sicherstellen sollen. Den Betrieb haben im Auftrag des Landes zumeist Kliniken übernommen.

Rund 500.000 Euro kosten die Med-Punkte das Land pro Monat. In den seit April geltenden Verträgen mit den Betreibern ist nun eine quartalsweise Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der medizinischen Stützpunkte aufgrund eines Evaluierungskonzeptes vorgesehen. "Erste Ergebnisse einer Evaluierung werden voraussichtlich im Sommer 2017 vorliegen", heißt es in einer Antwort der Sozialsenatsverwaltung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Philipp Bertram.

Die Sprechstunden werden von den Flüchtlingen gut angenommen. Das zeige die Auswertung der Behandlungsstatistiken. "Durchschnittlich werden pro Stunde sechs Patienten im Med-Punkt behandelt", steht in der Drucksache. Die pädiatrischen Sprechstunden seien aufgrund des hohen Bedarfs kürzlich sogar aufgestockt worden.

In drei Großunterkünften wird zusätzlich eine Versorgung durch Hebammen ermöglicht. Dieses Angebot will das Land nun offenbar ausbauen. Erfahrungen aus dem Jahr 2016 hätten gezeigt, dass die Notwendigkeit besteht, "übergangsweise und zeitlich befristet Hebammen anzustellen. Denn Schwangere und Wöchnerinnen, die in Unterkünften ohne Hebammenversorgung untergebracht sind, finden aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und aus Unkenntnis über das deutsche Gesundheitssystem "äußerst selten und höchstens vereinzelt sie betreuende Hebammen", heißt es in der Antwort der Sozialsenatsverwaltung.

Künftig sollen "teilnahmewillige" Hebammen mobil in Unterkünften eingesetzt werden, "um den gesetzlichen Versorgungsanspruch temporär bis zur Ertüchtigung des Regelsystems abzudecken". "Oberste Priorität hat im Bereich der medizinischen Versorgung die vollständige Integration der geflüchteten Menschen in das Regelsystem." (juk)

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